SAIDI: Deutsches Stromnetz weiterhin stabil

Mit einer durchschnittlichen Ausfallzeit von nur 10,8 Minuten pro Jahr gehört das deutsche Stromnetz laut aktuellem SAIDI-Wert weiterhin zur Weltspitze. Erfahren Sie, warum die Versorgungssicherheit trotz der temporären Höherauslastung der Übertragungsnetze stabil bleibt und wie Deutschland im internationalen Vergleich abschneidet.

Der SAIDI-Wert (System Average Interruption Duration Index) gibt die Länge der durchschnittlichen Stromausfälle an. Er wird entweder in Stunden oder Minuten pro Jahr gemessen und gibt einen Überblick der Stabilität von Stromnetzen. Nach § 52 Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) senden die verschiedenen deutschen Netzbetreiber ihre Auswertungen an die Bundesnetzagentur. Dort werden sie zusammengefasst und jährlich veröffentlicht. Demnach belegt die Bundesrepublik im Jahre 2022 mit einem gemittelten Wert von 10,8 Minuten pro Jahr einen der obersten Plätze in Europa, was auch weltweit zur Spitze zählt.

Guter SAIDI-Wert trotz § 49b EnWG

Es ist umso erstaunlicher, dass Deutschland nach wie vor einen sehr guten SAIDI-Wert aufweist, wenn man bedenkt, dass der Deutsche Bundestag im Herbst 2022 das Energiesicherungsgesetz (EnSiG) um den § 49b erweitert hat. Dieser eröffnet die Möglichkeit, der temporären Höherauslastung des Höchstspannungsnetzes. Initiiert wurde dies vor dem Hintergrund des Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine sowie der dadurch explodierenden Energiepreise. Das Ziel war damals, die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien kurzfristig zu erhöhen, damit die Stromerzeugung aus Erdgas reduziert werden konnte. Zusätzlich sollten Anreize zum beschleunigten Netzausbau geschaffen werden, da die Volatilität von Solar- und Windenergie die deutschen Netzte vermehrt belasten. Die Möglichkeit zur temporären Höherauslastung gemäß § 49b EnWG wurde aufgrund der positiven Auswertung des SAIDI-Wertes im Herbst 2023 verlängert und Bestandteil des Solarpaketes.

Werte im europäischen Vergleich

SAIDI - Europäischer-vergleich

Europaweit liegt Deutschland mit durchschnittlich 10,8 Minuten knapp vor der Schweiz und Finnland. Stabilere Stromnetze gibt es zurzeit nur noch in Lichtenstein und Slowenien. Die instabilsten Netze der EU sind zurzeit in Ungarn (154 Minuten pro Jahr) und Rumänien (185 Minuten pro Jahr) anzutreffen. Schlusslichter in Europa sind Albanien (2008 Minuten pro Jahr) und die Türkei (2682 Minuten pro Jahr). Auch im weltweiten Vergleich sind die deutschen SAIDI-Werte sehr gut. Die USA beispielsweise verzeichnen im Jahr durchschnittlich 78 Minuten Stromausfall, Australien 60 Minuten oder Kanada 55 Minuten. Absoluter Spitzenreiter ist die Region Tokyo mit einer Minute und Schlusslicht ist nach den Aufzeichnungen der Weltbank Papua-Neuguinea mit 56.400 Minuten. Hier gibt es demnach an 39 Tagen im Jahr keinen Strom aus der Steckdose.  

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