Steigende-Redispatch-Kosten

Steigende Redispatch-Kosten

Die steigenden Redispatch-Kosten in Deutschland machen die Herausforderungen im Energiesektor deutlich. Trotz eines leichten Rückgangs der Kosten im Jahre 2023 im Vergleich zum Vorjahr bleibt die Gesamtbelastung für das Stromnetz und die Verbraucher hoch.

19 TWh gingen 2023 aufgrund von Netzengpässen verloren

Im Jahr 2023 wurden Windräder vermehrt abgeregelt, da die Netze nicht genug Kapazität hatten, um den Strom aus dem Norden in den Süden zu leiten. Diese Netzengpässe führten dazu, dass etwa 19 Terawattstunden Strom verloren gingen, was ungefähr vier Prozent der gesamten deutschen Stromerzeugung entspricht. Insbesondere Windparks waren betroffen, während Kohle- und Gaskraftwerke im Süden zusätzlichen Strom erzeugen mussten, um die Nachfrage zu decken.

Seit 2020 steigen die Redispatch-Kosten rapide

Die Kosten des Redispatchs inklusive Einspeisemanagement betrugen im Jahr 2023 rund 2,35 Milliarden Euro, im Vergleich zu 2,7 Milliarden Euro im Jahr 2022. Das bedeutet einen Anstieg um 2.345 Prozent gegenüber 2013. Die Auswertung von Daten der Bundesnetzagentur zeigt, dass Ausgleichsmaßnahmen zum Engpassmanagement immer häufiger notwendig sind. So ist der gesamte Regelungsbedarf von 2022 im Vergleich zu 2021 um 19 Prozent auf 32.772 GWh angestiegen. Die Kosten hierfür beliefen sich in 2022 auf 4,2 Milliarden Euro, wovon mit 2,7 Milliarden Euro allein zwei Drittel auf den Redispatch zurückzuführen sind. Besonders zwischen Juli 2021 und Juli 2023 schwankten die Kosten stark und bewegten sich je nach Monat zwischen 32 und 477 Millionen Euro. Ein weiterer ausschlaggebender Faktor wird in 2024 auch der Wegfall der geplanten Subventionen von 5,5 Milliarden Euro für die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) sein, der im Zuge der Haushaltsneugestaltung im Dezember 2023 notwendig war.  

Gründe für die steigenden Redispatch-Kosten

Verschiedene Faktoren tragen zu den steigenden Kosten bei, darunter die Verzögerung des Netzausbaus und der unzureichende Ausbau erneuerbarer Energien im Süden. Während Engpässe im Übertragungsnetz vor allem im Süden auftreten, wird im Norden mehr Ökostrom durch Windkraftwerkle produziert als benötigt, was zu zusätzlichen Herausforderungen bei der Stromübertragung führt. An einem windstarken, aber bedeckten Tag wird beispielsweise im Norden viel Strom erzeugt, während im Süden weniger fließt. Es bräuchte also eine hohe Leitungskapazität, um den Strom vom Norden in den Süden zu transportieren. Diese ist jedoch noch nicht ausreichend vorhanden, insbesondere in Bayern.

Die fehlenden Übertragungskapazitäten sind auch ein Problem für den Klimaschutz, da die Kraftwerke, die meistens im Zuge des Redispatch hochgefahren werden, fossile Brennstoffe verfeuern. Zwar gilt grundsätzlich der Einspeisevorrang für Erneuerbare, aber zur Stabilisierung des Stromnetzes kommen meistens Kohle- und Gaskraftwerke weiter zum Einsatz, wenn nicht genügend erneuerbarer Strom vorhanden ist.

Damit das Stromnetz nicht überlastet, müssen die ÜNB demnach immer öfter eingreifen. Diese Vorgänge und die sog. Regelenergie treiben die Redispatch-Kosten in die Höhe. Je nach Tageszeit und Wetterlage schwankt die volatile Stromerzeugung der erneuerbaren Energien in Deutschland zurzeit zwischen 3 und 55 Gigawatt. In guten Monaten reichen dazu etwa 300 Eingriffe und in wechselhaften Monaten müssen bis zu 4.500 Abweichungen ausgeglichen werden.

Direkte Auswirkungen auf den Strompreis

Die Auswirkungen der steigenden Redispatch-Kosten sind weitreichend. Zunächst fließen sie in die bundesweit einheitlichen Berechnungen der vier deutschen ÜNB ein, die sie anschließend an die rund 900 regionalen Verteilnetzbetreiber weitergeben. Ab hier variieren die Kosten für die Nutzung des Stromnetzes je nach Region und Anbieter erheblich und es können Preisunterschiede von bis zu 300 Prozent bei den Stromnetzentgelten entstehen. Die Redispatch-Kosten schlagen sich bei Privathaushalten in der Regel direkt in Netzentgelterhöhungen nieder. Bei energieintensiven Gewerbe- und Industriekunden in der Mittelspannung, die üblicherweise äußerst individuelle Stromlieferverträge abschließen, kommt die Erhöhung meist erst etwas später an.

Fazit

Die aktuellen Herausforderungen im deutschen Energiesektor erfordern dringend Lösungen, um den Netzausbau voranzutreiben und gleichzeitig die Stromkosten zu senken. Eine grundlegende Reform der Netzentgelte könnte eine gerechtere Verteilung der Kosten ermöglichen und Anreize für eine flexiblere Stromnutzung schaffen. Zudem sollten Maßnahmen ergriffen werden, um die Übertragungskapazitäten zu erhöhen und den Einsatz fossiler Kraftwerke zu reduzieren. Eine konzertierte Aktion auf politischer und wirtschaftlicher Ebene ist erforderlich, um diese Herausforderungen anzugehen und die Energiewende erfolgreich voranzutreiben.

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