Neue Studie zu Gaskraftwerke: Wie teuer ist Strom aus Erdgas wirklich?

Eine aktuelle FÖS-Studie zeigt, dass Strom aus Gaskraftwerken mit bis zu 67 Cent pro Kilowattstunde weitaus teurer ist als bisherige Kalkulationen nahelegen, wenn gesamtgesellschaftliche Klimaschäden eingepreist werden. Erneuerbare Energien liegen im Vergleich schon unter 10 Cent.

Die Debatte um neue Gaskraftwerke als Sicherheitsnetz für die Energiewende verschärft sich. Während Ministerin Katharina Reiche ursprünglich rund 20 GW neue Kapazitäten forderte, einigten sich die Bundesregierung und die EU Anfang 2026 auf einen deutlich kleineren Rahmen: Ausgeschrieben werden demnach nun 10 GW Gaskraftwerke sowie 2 GW technologieoffene Kapazitäten, um die Versorgung bei Dunkelflaute abzusichern.

Doch welche finanziellen Folgen hat dieser Zubau? Eine aktuelle Kurzstudie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) im Auftrag von Green Planet Energy zeigt: Strom aus Erdgas ist weitaus teurer als oft behauptet. Bezieht man neben den Stromgestehungskosten auch die gesamtgesellschaftlichen Folgekosten mit ein, wird das vermeintliche Backup zur kostspieligen Belastung.

Gaskraftwerke als Baustein der Versorgungssicherheit?

Mit dem wachsenden Anteil von Wind- und Solarstrom verändert sich die Struktur des Stromsystems grundlegend. Da erneuerbare Energien wetterabhängig erzeugen, sind zusätzliche flexible Kapazitäten erforderlich, die kurzfristig einspringen können. Genau diese Rolle sollen nach Ansicht des BMWE künftig primär zusätzliche steuerbare Gaskraftwerke übernehmen. Nach Batteriegroßspeichern und Wasserkraft gelten Gaskraftwerke als relativ flexibel im Vergleich zu anderen fossilen Kraftwerken. Sie können relativ schnell hoch- und herunterfahren und eignen sich daher grundsätzlich, um kurzfristige Stromlücken zu schließen. Allerdings stehen sie zunehmend im Fokus wirtschaftlicher und klimapolitischer Diskussionen – insbesondere im Hinblick auf ihre tatsächlichen Kosten.

Stromgestehungskosten von Gaskraftwerken

Betrachtet man ausschließlich die klassischen Stromgestehungskosten, liegen die Kosten für Strom aus neuen Gaskraftwerken laut verschiedenen Berechnungen derzeit im Bereich von etwa 19 bis 23 Cent pro Kilowattstunde.

Diese Kosten setzen sich aus mehreren Komponenten zusammen:

  • Investitionskosten für Bau und Finanzierung des Kraftwerks
  • Betrieb und Wartung
  • Brennstoffkosten für Erdgas
  • Kosten aus dem europäischen Emissionshandel (CO₂-Zertifikate)

Ein wesentlicher und unkalkulierbarer Kostenfaktor ist dabei der Brennstoff selbst. Gaspreise unterliegen starken Marktschwankungen und können die Wirtschaftlichkeit eines Kraftwerks erheblich beeinflussen. Hinzu kommt der CO₂-Preis, der im europäischen Emissionshandel künftig voraussichtlich weiter steigen wird und damit zusätzliche Kosten für fossile Kraftwerke verursacht.

Gesellschaftliche Kosten von Gaskraftwerken

Die erwähnte FÖS-Studie erweitert diese klassische Betrachtung um sogenannte gesamtgesellschaftliche Kosten. Darunter verstehen die Autoren Kosten, die zwar durch die Nutzung fossiler Energieträger entstehen, jedoch nicht vollständig im Strompreis enthalten sind.

Zu diesen Kosten zählen unter anderem:

  • Klimaschäden durch CO₂-Emissionen
  • Methanemissionen entlang der Gasförder- und Transportkette
  • staatliche Förderungen für Gasinfrastruktur
  • wirtschaftliche Risiken durch Energiepreiskrisen

Werden diese Faktoren in die Rechnung einbezogen, steigen die Kosten für Strom aus Gaskraftwerken laut Studie deutlich an. Je nach Annahmen könnten sich die Gesamtkosten auf 35 bis 67 Cent pro Kilowattstunde belaufen. Ein Teil dieser Kosten entsteht durch Klimaschäden, die im heutigen Strompreis nur teilweise berücksichtigt werden. So kann ein einzelnes Gaskraftwerk über seine Laufzeit mehrere Millionen Tonnen CO₂ ausstoßen. In der Modellrechnung der Studie verursacht ein Referenzkraftwerk mit 500 Megawatt Leistung je nach Auslastung bis zu 8,4 Millionen Tonnen CO₂. Je nach zugrunde gelegtem Bewertungsansatz entstehen daraus Klimaschäden in Milliardenhöhe.

Zentrale Zahlen der Studie von Strom aus Gaskraftwerken (Beispiel)

KennzahlWert
Beispielkraftwerk500 MW Gaskraftwerk
Typische Stromgestehungskostenca. 19–23 ct/kWh
Anteil Brennstoffkostenca. 6–7 ct/kWh
Gesamtkosten inkl. externer Effekte35–67 ct/kWh
CO₂-Emissionen über Lebensdauerbis zu 8,4 Mio. t CO₂
Mögliche Klimaschadenskostenbis zu 7 Mrd. €

Vergleich mit erneuerbaren Energien & alternativen Backup-Optionen

Zum Vergleich: Die Stromgestehungskosten neuer Wind- und Photovoltaikanlagen liegen nach aktuellen Studien häufig unter 10 Cent pro Kilowattstunde. Allerdings erfüllten diese Technologien eine andere Rolle im Stromsystem, meinen die Autoren der Studie. Während sie kostengünstigen Strom erzeugten, seien zusätzliche flexible Kapazitäten notwendig, um Angebot und Nachfrage jederzeit auszugleichen. Neben Gaskraftwerken werden dafür verschiedene Alternativen diskutiert, etwa:

  • Batteriespeicher
  • Bioenergieanlagen
  • Wasserstoffkraftwerke
  • Lastmanagement und flexible Stromnachfrage

Welche Kombination dieser Technologien langfristig die kostengünstigste Lösung für die Versorgungssicherheit darstellt, ist Gegenstand intensiver energiepolitischer und wirtschaftlicher Analysen.

Kostenvergleich verschiedener Technologien

Bereits seit Mitte der 2010er Jahre liegen die Kosten der Erneuerbaren unter denen der fossilen Brennstoffe. Die Wind- und PV-Gestehungskosten sinken seitdem leicht. Die Werte dieser Tabelle stammen u. a. aus der aktuellen FÖS-Studie und von der Fraunhofer ISE.

TechnologieStromgestehungskosten
Photovoltaik (neue Anlagen)< 10 ct/kWh
Windenergie (Onshore)< 10 ct/kWh
Gaskraftwerk (mit CO₂-Preis)19–23 ct/kWh
Gaskraftwerk inkl. externer Kosten35–67 ct/kWh
Wasserstoffkraftwerke (Prognose)ca. 23–60 ct/kWh

Einordnung: Ein komplexer Kostenvergleich

Die Ergebnisse der Studie zeigen vor allem eines: Die Bewertung von Kraftwerkstechnologien hängt stark davon ab, welche Kosten in die Betrachtung einbezogen werden. Während klassische Stromgestehungskosten nur die direkten Kosten der Stromproduktion berücksichtigen, versuchen umfassendere Analysen auch externe Effekte wie Klimaschäden oder systemische Risiken einzubeziehen. Beide Perspektiven spielen in energiepolitischen Entscheidungen eine Rolle. Für die zukünftige Ausgestaltung des Stromsystems wird daher entscheidend sein, wie Versorgungssicherheit, Klimaziele und wirtschaftliche Effizienz miteinander in Einklang gebracht werden können.

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