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Netzentgelte sollen um 10 Prozent steigen

Die Netzentgelte machen einen erheblichen Teil des Industriestrompreises aus, variieren jedoch aufgrund der rund 900 regionalen Betreiber in Deutschland massiv. Dieser Beitrag beleuchtet die Hintergründe der angekündigten Preiserhöhungen und erklärt den Unterschied zwischen bundeseinheitlichen Übertragungsgebühren und den schwankenden Kosten der Verteilnetzbetreiber.

Der Strompreis für Gewerbe- und Industriekunden setzt sich im Jahr 2023 zu etwa 90 % aus Beschaffung, Vertrieb und Netzentgelte und zu 10 % aus Steuern, Umlagen und sonstigen Abgaben zusammen. Durchschnittlich bezahlt ein Unternehmen, das einen Mittelspannungs-Jahresverbrauch zwischen 150.000 und 20 Millionen kWh hat, bei einem Neuabschluss insgesamt rund 26,5 Cent pro Kilowattstunde. Laut den Angaben der Bundesnetzagentur beträgt der Anteil der reinen Netzentgelte im Jahr 2022 dabei für Gewerbekunden im Mittel bei 6,85 ct/kWh und für Industriekunden bei 2,96 ct/kWh. Im November 2023 teilte das Bundeswirtschaftsministeriums auf eine kleine Anfrage der Unions-Bundestagsfraktion mit, dass die Netzentgelte für 2024 durchschnittlich zwischen 10 und 11 % steigen werden.

Was sind die Netzentgelte?

Netzentgelte sind Gebühren, die für die Nutzung der Energieinfrastruktur, insbesondere für den Transport von Strom oder Gas, erhoben werden. Diese Entgelte decken die Kosten für den Betrieb, die Instandhaltung und den Ausbau der Netze, die für die Verteilung und den Transport von Energie benötigt werden. Netzentgelte werden in der Regel von den Netzbetreibern erhoben und können je nach Region und Energieart variieren. Grundsätzlich muss allerdings zwischen Verteilnetzentgelte und Übertragungsnetzentgelte unterschieden werden.

Netzentgelte der Verteilnetzbetreiber

In Deutschland gibt es ca. 900 Strom- und Verteilnetzbetreiber, die regional unterschiedlich hohe Netzentgelte erheben. Die Preisgestaltung ist abhängig von dem Anteil erneuerbarer Energien im Bereich, die Anzahl kleiner Abnehmer, Industriebetriebe in verschiedenen Branchen, die das Netz zu unterschiedlichen Tageszeiten belasten, und der Sanierungsbedarf des Netzes. Öffentliche Förderungen variieren hier sehr und wie verschiedene Verteilnetzbetreiber jetzt mitteilten, werden diese Netzentgelte für 2024 zwischen 15 und 19 % ansteigen. Die vom Endverbraucher letztlich bezahlten Netzentgelte setzen sich aber auch aus den Netzentgelten der Übertragungsnetzbetreiber zusammen.

Netzentgelte der Übertragungsnetzbetreiber

Übertragungsnetze dienen dazu, elektrische Energie über weite Entfernungen von den Erzeugungsquellen zu den Verbrauchszentren zu transportieren. Diese Netze bestehen aus Hochspannungsleitungen und Übertragungsanlagen, die es ermöglichen, große Mengen an elektrischer Energie mit minimalem Energieverlust zu übertragen. Die Übertragungsnetze sind auf nationaler Ebene organisiert und werden von Übertragungsnetzbetreibern betrieben. In Deutschland wurden die Netzentgelte seit 2017 anfangs durch das Netzentgeltmodernisierungsgesetz (NEMoG) und später durch die “Verordnung zur schrittweisen Einführung bundeseinheitlicher Übertragungsnetzentgelte” bis 2023 vereinheitlicht und liegen heute einheitlich bei 3,12 ct/kWh. Die Betreiber werden vom Bund auch in 2024 mit 5,5 Milliarden Euro bezuschusst und konnten 2022 zusätzlich eine Einmalzahlung 13 Milliarden Euro nach dem Wegfall der EEG-Umlage verbuchen. Daher werden die Netzentgelte für die Übertragungsnetzbetreiber um 2 % steigen.

Was sind die Kostentreiber?

Alle Netzbetreiber berichten, dass das Redispatch und der Ausbau der Netzreserve zurzeit die Kosten besonders in die Höhe treiben. Regulatorische Vorgaben spielen ebenfalls eine entscheidende Rolle, da die Auflagen der Aufsichtsbehörden die Kosten für die Netzbetreiber erhöhen können. Die Energiepolitik, insbesondere der Ausbau erneuerbarer Energien, kann zu zusätzlichen Kosten führen, da die Netze angepasst werden müssen, um den dezentralen Charakter dieser Energiequellen zu bewältigen. Netzverluste während des Transports von Energie sind ein weiterer bedeutender Kostentreiber. Die Instandhaltung der Netze, um ihre Effizienz und Zuverlässigkeit sicherzustellen, erfordert regelmäßige finanzielle Mittel. Personalkosten für qualifiziertes Personal zur Betriebsführung und Wartung der Netze tragen ebenfalls zu den Gesamtkosten bei. Zudem können technologische Entwicklungen, obwohl sie möglicherweise Effizienzsteigerungen ermöglichen, auch mit Investitionskosten verbunden sein. Die genaue Zusammensetzung der Netzentgelte variiert je nach Region, Energiepolitik und regulatorischem Umfeld.

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