linkedin

Herkunftsnachweise: Bürokratie bremst grünen Mieterstrom

Veraltete bürokratische Hürden bei der Ausstellung von Herkunftsnachweisen verhindern aktuell, dass grüner Strom aus Gewerbeanlagen auch offiziell als solcher deklariert werden kann. Umständliche und teure Umweltgutachten machen die Zertifizierung oft unrentabel und zwingen Betreiber dazu, ökologisch erzeugte Energie formal als „Graustrom“ auszuweisen.

Strom aus gewerblichen Photovoltaikanlagen ist zweifelsohne ökologisch und nachhaltig. Er sollte, sofern er an Dritte veräußert wird, ab der ersten Kilowattstunde auch so gekennzeichnet und behandelt werden. Dafür werden üblicherweise Herkunftsnachweise (HKN) für den Erzeuger erstellt. Diese werden in einem digitalen Herkunftsnachweisregister gespeichert und bei einem Verkauf eingelöst.

Für den Betreiber und Investoren einer bisher nicht geförderten PV-Anlage ist dieser Handel der Herkunftsnachweise eine nicht unbedeutende Einnahmequelle. Gerade bei der Zertifizierung des PV-Stroms und der Ausgabe der HKNs bremst die Bürokratie in Deutschland massiv. Kein Wunder, stammt sie doch noch aus einer Zeit, als nur wenige Kohle-, Gas- oder Atomkraftwerke Strom erzeugten. Selbst wenn die Solaranlage auf dem gleichen Gelände installiert wurde, auf dem ein oder mehrere Mieter den PV-Strom direkt verbrauchen, kommt es derzeit bereits zu Problemen.

Umweltgutachten für Herkunftsnachweise sind umständlich, zeitraubend und kostspielig

node.energy, Partner von CUBE CONCEPTS, äußert sich jetzt dazu. „In der Praxis ist es aktuell nahezu aussichtslos, den erzeugten Strom über Herkunftsnachweise zertifizieren zu lassen. Daher muss dieser Strom als „Graustrom“ auf Grundlage des aktuellen Strommixes in Deutschland ausgewiesen werden.“ Das gesamte HKN-System basiere noch auf der Annahme, dass erzeugter Strom immer den Umweg über das öffentliche Netz und einem Händler zum Endverbraucher gelangt.

Bei einem Mieterstrom-Modell wird jedoch der Strom direkt und ohne Umwege an den Mieter vor Ort verkauft. Dabei kann die Photovoltaikanlage des Stromverkäufers sogar auf dem Dach der gleichen Immobilie installiert sein, in dem der Mieter ihn verbraucht. Trotzdem müssen die unflexiblen bürokratischen Prozesse eingehalten werden. Bei solch einem Umweltgutachten wird die PV-Anlage und ihre Komponenten geprüft und mit der Registrierung zusätzlich abgeglichen. Matthias Karger, CEO von node.energy, erklärt dazu: „Ein Umweltgutachten kostet nicht nur unverhältnismäßig viel Zeit, sondern macht die Beantragung der so dringend von der Wirtschaft geforderten Herkunftsnachweise absolut unrentabel.“

Automatische Messsysteme müssen ausreichen, um Herkunftsnachweise zu generieren


Bereits vor und spätestens bei der Inbetriebnahme einer großen Photovoltaikanlage auf einer Gewerbeimmobilie müssen Betreiber sämtliche Komponenten zertifizieren lassen. Darüber hinaus benötigen gewerbliche PV-Anlagen ohnehin umfangreiche elektronische Monitoring-, Mess- und Regelungseinheiten für die Stromsteueranmeldung. Dies verlang das Redispatch-Verfahren und wurde im Rahmen des EEG festgelegt. Daher fordert node.energy vom BMWK in einer öffentlichen Stellungnahme und vertritt dabei die Meinung von rund 1.000 Betreibern solcher Anlagen, dass die Pflicht für Umweltgutachten wegfallen und durch den einfachen Nachweis über die erzeugten Strommengen mit einem geeichten Messsystem ersetzt werden muss.

Kostenloses Erstgespräch

Lastgang & Standort analysieren — in 30 Minuten zur wirtschaftlichsten Energielösung.

Wir analysieren Ihren Standort, Ihr Lastprofil und Ihre Bezugskosten herstellerunabhängig. Sie erfahren sofort, wie PV und Batteriespeicher Ihre Netzkosten senken und regulatorische Fristen (EnWG, EPBD) optimal nutzen – ohne technisches Risiko oder Eigeninvestition.

Regulatorik und Deadlines im Blick · Inkl. 250+ Simulationsvarianten · Kostenlos & ohne Commitment

Weitere interessante Beiträge

Momentanreserve-BESS-neue-Erloesquelle-Header

Momentanreserve mit BESS: Neue Erlösquelle im FTM-Betrieb

Momentanreserve etabliert sich als neue, stabile Erlösquelle für Batteriespeicher im FTM-Betrieb. Sie ermöglicht zusätzliche Einnahmen ohne wesentliche Einschränkungen bestehender Geschäftsmodelle. Der Beitrag zeigt, wie das Modell funktioniert und welches Potenzial im Revenue Stacking steckt.

Weiterlesen »
Differenzvertraege Marktpaemien - Header

EU: Differenzverträge lösen Marktprämien ab

Die EU-Strommarktreform läutet das Ende der klassischen Marktprämien ein und setzt künftig auf verpflichtende Differenzverträge (CfDs), um Verbraucher vor Preisexplosionen zu schützen. Diese Systemumstellung bietet Anlagenbetreibern eine langfristige Einnahmesicherheit – könnte aber auch die Erlöse schmälern.

Weiterlesen »
Grid-Forming-netzbildende-Wechselrichter-2

Grid Forming mit netzbildenden Wechselrichtern

Grid Forming ersetzt die fehlende Schwungmasse konventioneller Kraftwerke durch Software. Netzbildende Wechselrichter agieren in Verbindung mit Speichern als aktive Spannungsquelle, stellen „virtuelle Trägheit“ bereit und ermöglichen so die Netzstabilität sowie Schwarzstarts in einem rein EE-basierten System.

Weiterlesen »
Solar-Carports - Luftbild

Newsletter Anmeldung