SBTi Fahrpläne für nachhaltige Unternehmen

SBTi: Fahrpläne für nachhaltige Unternehmen

Die Science Based Targets initiative (SBTi) ist eine Organisation, die Unternehmen dabei unterstützt, ihre eigenen wissenschaftsbasierten Klimaziele zu setzen und Transitionspläne zu erstellen. Sie ist eine gemeinsame Initiative mehrerer führender Organisationen, darunter das Carbon Disclosure Project (CDP), das UN Global Compact, das World Resources Institute (WRI) und der World Wide Fund for Nature (WWF).

Die SBTi wurde ins Leben gerufen, um den Privatsektor mit einem Rahmenwerk dabei zu unterstützen, seine Treibhausgasemissionen in Einklang mit den Zielen des Pariser Klimaabkommens zu bringen. Dieses Abkommen hat das Ziel, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf deutlich unter 2°C über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen und Anstrengungen zu unternehmen, um den Temperaturanstieg auf 1,5°C zu beschränken. Die SBTi-Validierung der Klimaziele ist einer der ersten Bausteine zum Aufbau einer ESG-Strategie in Unternehmen.

Stand Mai 2024 engagieren sich weltweit etwa 8.200 Unternehmen bei der SBTi. Davon arbeiten bereits 5.200 mit validierten Klimazielen und weitere knapp 3.000 haben den „commitment letter“ unterzeichnet. Deutschlandweit zählen etwa 510 Unternehmen dazu, wie etwa die Telekom, BMW, Deutsche Bahn, Bayer, Siemens, Mercedes Benz oder RWE und europaweit haben sich bisher 4.400 Unternehmen zu den SBTi -Standards verpflichtet.

Ziele der SBTi

Die SBTi bietet ein umfassendes Rahmenwerk und Leitlinien zur Entwicklung von Klimazielen, die mit den neuesten Klimawissenschaften übereinstimmen. Ihr Hauptziel ist, die Transparenz und Rechenschaftspflicht von Unternehmen in Bezug auf ihre Treibhausgasemissionen und Klimamaßnahmen zu erhöhen und den Privatsektor dazu zu motivieren, eine Vorreiterrolle bei der Bekämpfung des Klimawandels einzunehmen. Insgesamt soll die Transformation hin zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft beschleunigt werden.

Warum sind Science Based Targets wichtig?

Science Based Targets (SBTs) sind für Unternehmen aus mehreren wichtigen Gründen von großer Bedeutung. Sie ermöglichen es, Emissionsreduktionsziele im Einklang mit dem neuesten Stand der Klimawissenschaft zu setzen, um den globalen Temperaturanstieg zu reduzieren. Dies hilft, den Klimawandel wirksam zu bekämpfen. SBTs tragen auch dazu bei, Risiken zu minimieren, die der Klimawandel für Unternehmen mit sich bringt, wie etwa physische Risiken durch extreme Wetterereignisse, regulatorische Risiken durch strengere Emissionsvorschriften und Reputationsrisiken wie beispielsweise CSRD oder Taxonomie.

Darüber hinaus verschaffen sich Unternehmen, die proaktiv Klimaschutzmaßnahmen ergreifen, einen Wettbewerbsvorteil durch erhöhte Effizienz, Kosteneinsparungen und Innovationsvorteile. Da immer mehr Verbraucher und Investoren Nachhaltigkeit ernst nehmen, profitieren diese Unternehmen auch von einer gesteigerten Marktattraktivität. Zudem sind Unternehmen mit SBTs besser auf gesetzliche und regulatorische Änderungen vorbereitet, da Regierungen weltweit zunehmend Vorschriften zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen implementieren. Dies erleichtert die Einhaltung gesetzlicher Anforderungen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Investoren verstärkt auf die Nachhaltigkeitsleistung von Unternehmen achten. Unternehmen mit klar definierten SBTs stärken das Vertrauen der Investoren und verbessern ihren Zugang zu Kapital, da Finanzinstitute zunehmend Firmen bevorzugen, die klimabedingte Risiken aktiv managen. Die Integration von SBTs in die Unternehmensstrategie fördert zudem die langfristige Planung und Stabilität, was zur langfristigen Rentabilität beiträgt. Schließlich können Unternehmen durch das Setzen und Erreichen von SBTs ihre Reputation als verantwortungsbewusste und nachhaltige Akteure stärken, was die Kundenloyalität erhöht und die Attraktivität als Arbeitgeber steigert.

SBTi-Vorteile für Unternehmen im Überblick:

  • Identifizierung effektiver Einsparmaßnahmen
  • Senkung der Betriebskosten
  • Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit
  • Verbesserte Positionierung gegenüber Stakeholdern
  • Verbesserung des Markenimages – gesteigerte Kundenbindung und -gewinnung
  • Steigerung der Attraktivität für Talente
  • Minimierung von regulatorischen Risiken
  • Förderung von Innovationen
  • Besserer Zugang zu Förder- und Finanzmittel von Investoren

Wie werden Unternehmen Teil der SBTi?

Im ersten Schritt sollten Unternehmen den sog. commitment letter unterzeichnen. Mit der Erklärung verpflichten sie sich, innerhalb von maximal 24 Monaten nach der Anmeldung ein wissenschaftsbasiertes Ziel zu setzen. Zur Unterstützung bei dieser Zielentwicklung stellt die SBTi umfangreiche und branchenspezifische technische Leitfäden und Ressourcen bereit. Anschließend können Unternehmen ihre Emissionsziele bei der SBTi einreichen, um diese überprüfen und validieren zu lassen. Nur hier erhebt die Initiative Kosten.

Ein validiertes Unternehmensziel erhält das Label „science-based“. Der Fokus liegt bei der Klima-Roadmap auf der gesamten Wertschöpfungskette, was bedeutet, dass Unternehmen ihre Emissionen in Scope 1, 2 und 3 reduzieren müssen. Externe CO₂-Zertifikate und vermiedene Emissionen werden nicht angerechnet, sondern gelten als zusätzliche freiwillige Maßnahmen. In den folgenden Jahren berichten die Unternehmen, die sich der SBTi angeschlossen haben, öffentlich, transparent und regelmäßig über die Fortschritte.

Erarbeitung der Klimaziele nach SBTi

Generell unterschiedet die SBTi zwischen einem vereinfachten Verfahren und einem Standard-Prozess sowie zwischen kurzfristige und langfristige Zielsetzungen. Die jeweilige Ausarbeitung orientiert sich an den GHG-Scopes, mit denen CO₂-Bilanzen erstellt werden.

  • Nach Scope 1 = direkte Emissionen des berichtenden Unternehmens (Wärmeerzeugung, Produktionsprozesse, Fuhrpark etc.)
  • Nach Scope 2 = indirekte Emissionen in den vorgelagerten Aktivitäten in Bezug auf zugekaufte Waren, Rohstoffe oder Dienstleistungen sowie der verwendeten Energieart
  • Nach Scope 3 = indirekte Emissionen in allen Vor-, nach- und begleitenden Prozessen bzw. der gesamten Wertschöpfungskette

In der kurzfristigen Zielsetzung kommen Scope 1 und 2 zum Zuge: Hier müssen bis zum Jahr 2025 80% und bis zum Jahr 2030 100% aus erneuerbaren Energien stammen und jährlich 4,2 % CO₂ eingespart werden. Alle Kalkulationen basieren auf der CO₂-Bilanz eines nicht zu weit zurückliegenden Geschäftsjahres und die Berechnungen beziehen sich auf ein festzulegendes Target-Jahr. Dabei ist den Unternehmen freigestellt, ob sie ihre Stromberechnung nach einem location- oder marked-based-Ansatz berechnen. Die SBTi kalkuliert daraufhin einen individuellen CO₂-Reduktionsfahrplan. Erst bei der langfristigen Zieldefinition für große Unternehmen kommt Scope 3 ins Spiel, wenn dieser Bereich mehr als 40 % der gesamten Emissionen ausmacht. Da dies auf die meisten Konzerne oder Großunternehmen zutrifft, sollten diese einzelnen Emissionsziele genauestens festgelegt werden. In zwei Dritteln der Scope 3 Kriterien müssen dann nämlich jährlich mindestens 2,5 % eingespart werden. Das vereinfachte Verfahren für KMUs mit bis zu 500 Mitarbeitende sieht nur eine Zielsetzung nach Scope 1 und 2 vor.

Eine SBTi-Validierung der eigenen Klimaziele im vereinfachten Verfahren kostet für KMU rund 1.000 Dollar und gilt als international anerkannter Standard. Für unabhängige Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitenden ist die Validierung des Klimaschutzzieles für knapp 15.000 Dollar zu haben.

Herausforderungen bei der Umsetzung der SBTi-Standards

Obwohl die SBTi viele Vorteile für Unternehmen bietet, gibt es auch einige Herausforderungen bei der Umsetzung:

  • Komplexität der Zielentwicklung: Die Erstellung wissenschaftsbasierter Emissionsziele kann für Unternehmen eine große Herausforderung darstellen, da sie umfangreiche Datenerhebung und -analyse erfordert.
  • Finanzielle Ressourcen: Die Umsetzung von Maßnahmen zur Emissionsreduzierung kann hohe Investitionen erfordern.
  • Organisatorische Veränderungen: Um die Klimaziele zu erreichen, müssen Unternehmen oft ihre internen Prozesse und Strukturen anpassen.
  • Fehlende Branchenstandards: Die SBTi verfügt noch nicht für alle Branchen klar definierte Richtlinien und Methoden zur Zielentwicklung. Gerade bei den ersten CO₂-Bilanzen im Scope 3 muss heute auf Richtwerttabellen zurückgegriffen werden.  
  • Mangelnde Transparenz: Einige Unternehmen sind besorgt, dass die Offenlegung ihrer Emissionsdaten und Fortschritte ihren Wettbewerbsvorteil gefährden könnte.

Trotz dieser Herausforderungen zeigt die wachsende Zahl von Unternehmen, die sich der SBTi-Initiative anschließen, dass die Vorteile die Nachteile überwiegen.

Fazit

Die SBTi spielt eine entscheidende Rolle bei der Mobilisierung des privaten Sektors im Kampf gegen den Klimawandel, indem sie Unternehmen unterstützt und ihnen einen klaren, wissenschaftlich fundierten Weg zur Reduktion ihrer Treibhausgasemissionen bietet. Durch die Teilnahme an der SBTi können Unternehmen nicht nur zur globalen Klimastabilität beitragen, sondern auch ihre eigene Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit stärken.

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