Das Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) ist ein EU-Mechanismus, der CO₂-Kosten von Importwaren mit EU-ETS-Preisen gleichzieht. Es verhindert Carbon Leakage – die Verlagerung schmutziger Produktion aus der EU – und schafft faire Wettbewerbsbedingungen für energieintensive Branchen.
Dieser Beitrag erklärt Funktionsweise, Zeitplan, betroffene Waren und was Importeure 2026 konkret beachten müssen.
Was ist CBAM und warum wurde es eingeführt?
CBAM gehört zum “Fit for 55”-Paket. Im Rahmen der damit verbunden CO₂-Bepreisung löst die EU die kostenlose EU-ETS-Zuteilung schrittweise ab. Um EU-Unternehmen nicht zu benachteiligen, sollen auf Importe aus nicht EU-Staaten die gleichen CO₂-Kosten entfallen.
Problem: Energieintensive EU-Firmen zahlen CO₂-Preise (aktuell 70–100 €/t), Drittländer oft nicht. Ergebnis: Wettbewerbsnachteile, “Flucht” in Länder ohne CO₂-Preis.
Lösung: Importeure zahlen CBAM-Zertifikate für eingeführte Emissionen zum EU-ETS-Wochenpreis.
Wie funktioniert CBAM?
Schritt-für-Schritt:
- Zollanmeldung: Importeur meldet Waren (Zement, Stahl, Aluminium, Dünger, Wasserstoff, Strom).
- Emissionsberechnung: Direkte (Produktion) + indirekte (Strom) CO₂-Emissionen des Herstellers.
- Zertifikate kaufen: CBAM-Zertifikate zum EU-ETS-Preis decken Emissionen ab.
- Abgleich: Bereits im Herkunftsland gezahlte CO₂-Kosten werden angerechnet.
- Einlösung: Quartalsweise bis 31. Mai (nächstes Jahr), max. 33% Rückgabe möglich.
Registrierung: Seit 2025 bei nationalen Zollbehörden. Ab 2026 vollständige Pflicht.
Betroffene Waren & Sektoren (2026)
| Warengruppe | Beispiele | Emissionsintensität |
| Zement | Grauzement, weißer Zement | 800–900 kg CO₂/t |
| Stahl | Roheisen, Stahlerzeugnisse | 1,8 t CO₂/t |
| Aluminium | Primäraluminium | 12–16 t CO₂/t |
| Düngemittel | Ammoniak, Harnstoff | 2–3 t CO₂/t |
| Wasserstoff | Grauer/grauer H₂ | 9–12 kg CO₂/kg |
| Strom | Direktimporte | EU-Durchschnitt |
Erweiterung 2026+: Organische Chemie, Kunststoffe, Textilien.
Zeitplan: Übergang zu vollem CBAM
| Phase | Zeitraum | Pflichten |
| Übergang | 10/2023–12/2025 | Emissionsberichte (quartalsweise) |
| Registrierung | 2025 | CBAM-Nummer beantragen |
| Vollbetrieb | 01/2026 | Zertifikate kaufen/einlösen |
| ETS-Abbau | 2026–2034 | Kostenlose Zuteilung sinkt auf 0% |
Wichtig: Ab 2026 keine kostenlosen ETS-Zertifikate mehr für betroffene Sektoren.
Praktische Pflichten für Importeure
Registrierung: Bei Zollbehörde (DE: Zollamt). Kostenfrei, einmalig.
Quartalsberichte (bis 2025):
- Menge importierter Ware (t)
- Direkte Emissionen Hersteller (t CO₂)
- Indirekte Emissionen (Strom) (t CO₂)
- Bereits gezahlte CO₂-Kosten
Seit 2026:
- CBAM-Zertifikate kaufen (EU-ETS-Preis)
- Finale Abrechnung bis 31. Mai
- Rückerstattung (max. 33 %)
Datenquellen:
- Herstellerangaben (vorzuziehen)
- EU-Benchmark-Werte (Standardfälle)
Auswirkungen für Unternehmen
Importeure
- Kostensteigerung: 20–50 €/t Ware (je nach Sektor)
- Datenbeschaffung: Nachweise aus Drittländern
- Compliance-Risiko: Strafen bei Versäumnis
Produzenten (EU)
- Wettbewerbsvorteil: Importe teurer
- ETS-Druck: Weniger kostenlose Zertifikate
Exporteure (Drittländer)
- Anreiz: CO₂-Preis einführen
- Benchmark-Risiko: Standardwerte oft höher
Chancen für deutsche Unternehmen
CBAM als Wettbewerbsvorteil:
CO₂-arme Produktion → EU-ETS-Kosten niedriger
→ Faire Preise vs. Importe
→ Marktanteile sichern
Strategien:
- Emissionsreduktion (Produktion, Strombezug)
- CO₂-Reporting optimieren
- Lieferkette prüfen (Drittländer-Zertifikate)
- CBAM-konforme Verträge
Fazit: CBAM als Wettbewerbshebel
CBAM schafft faire Bedingungen für CO₂-arme EU-Produktion. Importeure müssen ab 2026 handeln, Produzenten profitieren langfristig.
Jetzt prüfen:
- Importvolumen analysieren
- Emissionsdaten sicherstellen
- Compliance-Prozesse aufbauen
FAQ
Muss ich mich registrieren?
Ja, alle Importeure seit 2025. Kostenfrei bei Zoll.
Welche Daten brauche ich?
Emissionsnachweise Hersteller oder EU-Benchmark.
Wie hoch werden die Kosten?
Abhängig von ETS-Preis (70–100 €/t CO₂) und Ware.
Was passiert bei Fehlern?
Bußgelder, Nachzahlungen, Zertifikatszwangsrückkauf.
Können Zertifikate übertragen werden?
Nein, jährliche Abrechnung.
