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Primärenergieverbrauch (PEV) in Deutschland: Definition, aktuelle Zahlen & Entwicklung

Er ist in Deutschland seit 1990 deutlich gesunken, stagniert zuletzt jedoch bei rund 2.930 TWh. Was hinter der Kennzahl steckt, wie sie berechnet wird und warum das gesetzliche 2030-Ziel trotz sinkendem Energieverbrauch gefährdet ist, zeigt dieser Überblick.

Aperçu rapide

  • Le site consommation d'énergie primaire (PEV) Deutschlands lag 2025 nach der aktuellen Schätzung der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB) bei rund 2,931 TWh (10.553 Petajoule). Damit lag er nahezu auf Vorjahresniveau (-0,1 %; witterungsbereinigt wäre der Rückgang mit rund -1,2 % deutlicher ausgefallen).
  • Seit dem historischen Höchststand 1990 (rund 4.140 TWh) ist der PEV insgesamt um etwa 29 % gesunken. Der Anteil der Erneuerbaren lag dabei in 2025 bei 20,8 %.
  • Bis 2030 soll der PEV laut Energieeffizienzgesetz (EnEfG) um 39,3 % unter dem Wert von 2008 liegen. Aktuelle Projektionen des Umweltbundesamts halten dieses Ziel mit den bislang beschlossenen Maßnahmen für gefährdet.

Was ist der Primärenergieverbrauch (PEV)?

Der Primärenergieverbrauch bezeichnet den Energiegehalt aller in einem Land eingesetzten Energieträger – gemessen in ihrer ursprünglichen, noch nicht umgewandelten Form. Dazu zählen sowohl fossile Energieträger wie Mineralöl, Erdgas, Braun- und Steinkohle als auch erneuerbare Energien wie Windkraft, Photovoltaik, Wasserkraft, Biomasse und Geothermie.

Berechnet wird der PEV von der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB) als Summe der inländischen Energiegewinnung, bereinigt um den Außenhandelssaldo (Ein- und Ausfuhr) sowie den Saldo der Ein- und Ausspeicherung von Energie. Grundlage ist das sogenannte Wirkungsgradprinzip. Direkt verbrennende Energieträger wie beispielsweise Kohle, Gas und Öl gehen mit ihrem Heizwert in die Bilanz ein. Strom aus Wind-, Wasser- und Solarkraft wird dagegen mit einem rechnerischen Wirkungsgrad von 100 % angesetzt, Geothermie mit 10 %. Diese Methodik hat einen wichtigen Nebeneffekt: Der PEV sinkt automatisch, wenn fossile Kraftwerke mit Umwandlungsverlusten von 35–45 % durch verlustfrei angesetzte erneuerbare Erzeugung ersetzt werden – auch wenn der tatsächliche Endenergieverbrauch konstant bleibt.

Der PEV ist damit die umfassendste der vier zentralen deutschen Energiebilanz-Kennzahlen. Er bildet die Ausgangsgröße, aus der sich – nach Abzug von Umwandlungs- und Übertragungsverlusten – der Bruttoendenergieverbrauch (BEEV) und, spezifisch für den Stromsektor, der Bruttostromverbrauch (BSV) und die Bruttostromerzeugung (BSE) ableiten.

Abgrenzung zu BEEV, BSV und BSE

Die vier Kennzahlen der deutschen Energiebilanz stehen in einem hierarchischen Verhältnis zueinander und werden häufig verwechselt.

Indicateur cléDésignationBezug
PEVconsommation d'énergie primaireGesamter Energieeinsatz vor Umwandlung, alle Sektoren und Energieträger
BEEVconsommation intérieure brute d'énergie finaleEnergie, die tatsächlich bei den Verbrauchern (Industrie, Verkehr, Haushalte, GHD) ankommt, inkl. energiebedingter Eigenverbrauch
BSVconsommation brute d'électricitéAusschließlich der Stromsektor: Gesamter erzeugter und importierter Strom vor Netz- und Umwandlungsverlusten
ESBproduction brute d'électricitéAusschließlich der Stromsektor: Im Inland erzeugte Strommenge (Kraftwerke, EE-Anlagen), vor Eigenverbrauch der Kraftwerke

Eine ausführliche Gegenüberstellung mit Berechnungslogik und Beispieldaten gibt es in dem Beitrag zur Energiebilanz Deutschland.

Entwicklung des Primärenergieverbrauchs in Deutschland

Der PEV ist seit Mitte der 2000er-Jahre strukturell rückläufig. Haupttreiber sind der wirtschaftliche Strukturwandel hin zu weniger energieintensiver Produktion, Energieeffizienzsteigerungen, der wachsende Anteil erneuerbarer Energien (mit dem oben beschriebenen methodischen Bonuseffekt) sowie – kurzfristig – konjunkturelle Schwäche und Witterungseinflüsse.

AnnéePEV in TWhPEV in PJAnmerkung
1990ca. 4.14014.905Historischer Höchststand
2008ca. 3.89014.003Basisjahr für das EnEfG-Ziel 2030
2017ca. 3.76413.550
2023ca. 2.98210.735Historischer Tiefstand infolge Industrieproduktionsrückgang und hoher Energiepreise
2024ca. 2.92510.529-1,2 % ggü. 2023
2025env. 2 93110.553Vorläufige AGEB-Schätzung (Stand 18.12.2025), -0,1 % ggü. 2024
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Auffällig: Der Rückgang zwischen 2022 und 2023 (rund -8 %) war überwiegend konjunkturell bedingt – energieintensive Industriezweige fuhren ihre Produktion angesichts hoher Energiepreise deutlich zurück. 2024 und 2025 hat sich der Trend dagegen deutlich verlangsamt und stabilisiert sich nahe der 2.930-TWh-Marke.

Beim Energieträgermix zeigt sich 2024 folgendes Bild: Mineralöl bleibt mit rund 36 % größter Einzelposten, gefolgt von Erdgas (ca. 26 %). Braun- und Steinkohle liegen bei jeweils rund 7–8 %. Kernenergie trägt seit der endgültigen Abschaltung am 15. April 2023 nicht mehr zum PEV bei; der Anteil erneuerbarer Energien steigt kontinuierlich.

Regulatorischer Rahmen: Das EnEfG-Ziel 2030

Mit dem 2023 in Kraft getretenen Energieeffizienzgesetz (EnEfG) hat der Gesetzgeber verbindlich festgelegt, dass der PEV bis 2030 um 39,3 % unter dem Wert des Jahres 2008 (rund 3.890 TWh) liegen soll – das entspräche einem Zielwert von etwa 2.360 TWh. Die “Treibhausgas-Projektionen 2026” des Umweltbundesamts kommen jedoch zu dem Ergebnis, dass selbst bei Umsetzung aller derzeit geplanten Maßnahmen der PEV 2030 nur auf rund 2.722 TWh (9.800 PJ) sinken würde. Dies bedeutet einen Rückgang von lediglich rund 32 % gegenüber 2008. Der Projektionsbericht zu den Klimazielen 2030 zur Folge verfehlt Deutschland auch die ESR-Vorgaben um 255 Mio. Tonnen CO₂.

Einordnung: Was der PEV-Rückgang für Unternehmen bedeutet

Ein sinkender PEV ist nicht gleich einem sinkenden Strombedarf. Das Gegenteil ist eher der Fall: Durch die fortschreitende Elektrifizierung von Wärme, Mobilität und Industrieprozessen (Wärmepumpen, E-Mobilität, Power-to-X) wird der Anteil des Stroms am Energiesystem tendenziell steigen. Dies zählt auch, wenn der gesamte PEV methodisch bedingt weiter sinkt. Für Unternehmen bedeutet das vielmehr, dass ein stabiler und planbarer Stromzugang wichtiger wird. Eigene PV-Stromerzeugung und Sicherung durch Batteriespeicher gewähren dies unabhängig davon, wie sich die Primärenergiebilanz insgesamt entwickelt. Wie sich diese Verschiebung konkret im Bruttostromverbrauch niederschlägt, behandeln wir im Beitrag zum Bruttostromverbrauch (BSV).

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen Primärenergieverbrauch und Endenergieverbrauch?

Der Primärenergieverbrauch erfasst den Energiegehalt aller eingesetzten Energieträger vor jeglicher Umwandlung. Der Endenergieverbrauch (bzw. Bruttoendenergieverbrauch, BEEV) bildet dagegen nur die Energiemenge ab, die nach Abzug von Umwandlungs- und Übertragungsverlusten tatsächlich bei den Verbrauchern ankommt – er liegt daher stets unter dem PEV.

Warum sinkt der Primärenergieverbrauch, obwohl mehr Strom verbraucht wird?

Das liegt an der Berechnungsmethodik der AGEB: Strom aus Wind, Wasser und Photovoltaik wird ohne Umwandlungsverluste (100 % Wirkungsgrad) angesetzt, während fossile Kraftwerke Verluste von 35–45 % aufweisen. Ersetzt erneuerbare Erzeugung fossile Kraftwerksleistung, sinkt der PEV rechnerisch überproportional – auch wenn der tatsächliche Strombedarf gleich bleibt oder steigt.

Wie hoch war der Primärenergieverbrauch in Deutschland 2025?

Nach der aktuellen Schätzung der AG Energiebilanzen (Stand 18.12.2025) lag der PEV 2025 bei rund 2.931 TWh (10.553 Petajoule) – nahezu unverändert gegenüber 2024 (-0,1 %).

Wer erhebt die Zahlen zum Primärenergieverbrauch?

Die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB) veröffentlicht jährlich eine vorläufige Dezember-Schätzung sowie im Frühjahr des Folgejahres den finalen Jahresbericht. Für erneuerbare Energien liefert zusätzlich die Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien-Statistik (AGEE-Stat) Daten zu.

Wird Deutschland sein PEV-Ziel für 2030 erreichen?

Nach aktuellen Einschätzungen des Umweltbundesamts (Treibhausgas-Projektionen 2025) ist das gesetzlich verankerte Ziel einer Reduktion um 39,3 % gegenüber 2008 mit den bislang beschlossenen Maßnahmen voraussichtlich nicht erreichbar; die Projektion liegt bei rund 32 % Rückgang.

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