Kurzüberblick
Das Beratungsunternehmens enervis hat im Auftrag des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW-Solar) eine aktuelle Kurzstudie erstellt. Demnach senkte die rund 118 GWp installierte Photovoltaik-Leistung die deutschen Großhandelsstrompreise 2025 im Jahresdurchschnitt um 20,8 %. Der wirtschaftliche Gesamtwert der PV-Erzeugung – aus vermiedenen Beschaffungskosten und zusätzlichen Exporterlösen – belief sich 2025 auf 15,7 Milliarden Euro. Damit lag er 44 % über den EEG-Förderkosten für Photovoltaik.
Kernergebnisse der Studie
enervis hat für die Analyse zwei Szenarien gegeneinander modelliert. Bei Szenario eins vergleicht die Studie die tatsächliche Marktentwicklung 2025 mit der real installierten PV-Leistung von rund 118 GWp. In dem zweiten hypothetischen Vergleichsszenario simuliert sie den Fall ganz ohne PV-Erzeugung in Deutschland. Grundlage ist das europäische Strommarkt-Fundamentalmodell von enervis mit stündlicher Auflösung.
Wichtig ist dabei zu berücksichtigen, dass die Einsparungen für alle Verbraucher gilt. Kommt eine eigene Stromproduktion hinzu, verstärken sich die Effekte selbstverständlich noch zusätzlich.
| Referenzszenario (mit PV) | Szenario ohne PV | Effekt | |
| Durchschnittlicher Großhandelspreis 2025 | 89,3 €/MWh | 112,8 €/MWh | –20,8 % (–23,5 €/MWh) |
| Grünstromanteil | 63 % | 45 % | –18 % |
| Zusätzlicher Brennstoffbedarf | – | ca. 3,96 Mrd. m³ Gas, ca. 11 Mio. t Kohle | – |
| Einsparung Industriebetrieb (10 GWh/Jahr) | – | – | ca. 235.000 €/Jahr |
| Einsparung Haushalt (4 MWh/Jahr) | – | – | ca. 94 €/Jahr |
Der preisdämpfende Effekt tritt der Studie zufolge in allen Monaten auf. Allerdings ist er in den Sommermonaten und in den Mittagsstunden am stärksten ausgeprägt. Dies sind genau die Zeiträume, wenn die PV-Einspeisung am höchsten ist und über den Merit-Order-Effekt konventionelle, teurere Kraftwerke aus dem Markt drängt.
Gesamtwert der gesenkten Stromkosten übersteigt die Förderkosten
Aus der Preisdifferenz am Großhandelsmarkt (13,1 Mrd. Euro) und zusätzlichen Erlösen aus Stromexporten (2,6 Mrd. Euro) ergibt sich für 2025 ein wirtschaftlicher Gesamtwert der PV-Erzeugung von 15,7 Milliarden Euro. Dieser Wert lag rund 44 % über den für 2025 erwarteten EEG-Förderkosten für Photovoltaik. BSW-Solar sieht darin den Beleg, dass sich die staatliche Solarförderung inzwischen auch volkswirtschaftlich voll auszahlt. Nicht eingerechnet sind dabei weitere Effekte wie vermiedene Klimaschadenskosten.
Einordnung: PV senkt Preise, Flexibilität hebt den Nutzen weiter
Die aktuelle enervis-Studie betrachte ausschließlich den reinen Merit-Order-Effekt der PV-Erzeugung am Großhandelsmarkt. Sie ergänzt damit die Ergebnisse der Kurzstudie aus Frühsommer 2026 des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE), die ebenfalls das BEE beauftragt hatte. Fraunhofer arbeitete dabei den zusätzlichen volkswirtschaftlichen Nutzen von Speichern und anderen Flexibilitätsoptionen heraus. Demnach könnten Batteriespeicher das Stromsystem um 3,9 Mrd. Euro pro Jahr entlasten.
Während die aktuelle enervis-Studie den Wert der PV-Erzeugung quantifiziert, zeigt die Fraunhofer-Analyse das Potenzial zusätzlicher Speicher. Rund 20 GW Speicherleistung mit vier Stunden Kapazität könnten einen Großteil der bestehenden Flexibilitätslücke schließen. Dadurch ließen sich negative Strompreise, Abregelungen und Förderkosten reduzieren.
Beide Studien kommen damit zu einer ähnlichen Schlussfolgerung: Der weitere Ausbau der Photovoltaik bleibt volkswirtschaftlich sinnvoll. Seine volle Wirkung entfaltet er jedoch erst im Zusammenspiel mit Speichern und zusätzlicher Flexibilität. Mehr dazu im Beitrag: Flexibilitätsvermarktung für BESS-Betreiber.
Politischer Kontext
Die neue enervis-Studie unterstreicht die Forderungen des BSW-Solar nach einem weiterhin verlässlichen Rahmen für den Photovoltaik-Ausbau. Die Ergebnisse zeigen ganz klar, dass Photovoltaik die Börsenstrompreise für alle senkt und die deutsche Energieversorgung resilienter macht. Gerade mit Blick auf das anstehenden und geplanten Reformen EEG 2027 & Netzpaket, ist dieser Hinweis besonders wichtig und ein klares Zeichen an den Bundestag, der darüber noch abstimmen muss. Der Verband argumentiert seit Längerem für einen beschleunigten PV-Zubau in Kombination mit einem beschleunigten Ausbau von Batteriespeichern. Die nun belegte Diskrepanz zwischen Förderkosten und Marktwert der Photovoltaik liefert dafür eine zusätzliche wirtschaftliche Begründung.
FAQ
Wie wurde die Preissenkung durch PV berechnet?
enervis hat mit einem europäischen Strommarktmodell zwei Szenarien für 2025 stündlich simuliert: eines mit der real installierten PV-Leistung von rund 118 GWp und eines ohne jegliche PV-Erzeugung. Die Differenz der resultierenden Strompreise ergibt den Preiseffekt.
Was passiert ohne PV mit der fehlenden Strommenge?
Der Studie zufolge würde die fehlende PV-Erzeugung überwiegend durch zusätzliche Stromimporte sowie mehr Erzeugung aus Gas- und Kohlekraftwerken im Inland ersetzt – mit entsprechend höherem Brennstoffbedarf und einem um 18 Prozentpunkte geringeren Grünstromanteil.
Sind Netzentgelte in den 15,7 Milliarden Euro enthalten?
Nein. Die Studie bewertet ausschließlich den Großhandelsmarkt sowie zusätzliche Exporterlöse. Netzkosten, Entgelte und weitere volkswirtschaftliche Effekte (z. B. vermiedene Klimaschäden) sind nicht berücksichtigt.
Wie verhält sich die Studie zur Fraunhofer-IEE-Flexibilitätsstudie?
Beide Studien ergänzen sich: enervis zeigt den reinen Preiseffekt der bereits installierten PV-Leistung, Fraunhofer IEE/BEE zeigt, welchen zusätzlichen Nutzen gezielter Speicherausbau heben könnte, um die verbleibende Flexibilitätslücke zu schließen.
Quellen
- enervis energy advisors GmbH für BSW-Solar: „Studie zu Auswirkungen von Erzeugung aus Photovoltaik auf die Großhandelsstrompreise”, Berlin, 18.06.2026
- Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar): Pressemitteilung „Studie: Ohne Solarstrom wären Börsenstrompreise rund 20 Prozent höher”, 02.09.2026