Kurzüberblick
Die Marktlokation (MaLo) ist der abrechnungs- und bilanzierungsrelevante Punkt im Netz, an dem Strom entnommen oder eingespeist wird. Eine 11-stellige MaLo-ID identifiziert sie. Die Messlokation (MeLo) ist der physische Ort der tatsächlichen Messung, also der Zähler selbst – identifiziert durch eine 33-stellige MeLo-ID. Eine Marktlokation kann mehrere Messlokationen umfassen.
Definition Marktlokation
Die Bundesnetzagentur hat am 1. Februar 2018 die Begriffe Marktlokation und Messlokation im Rahmen der Festlegung zum sogenannten Interimsmodell (BK6-16-200, Beschluss vom 20.12.2016) verbindlich eingeführt. Seitdem ersetzen sie frühere und uneinheitlich verwendete Zählpunktbezeichnungen (ZPB), wie z. B. Zählpunkt, Lieferstelle, Entnahmestelle oder Ausspeisestelle.
Die Marktlokation ist ein rein bilanzielles und abrechnungstechnisches Konstrukt. Sie bezeichnet den Punkt im Netz, an dem Energie entnommen oder eingespeist wird – unabhängig davon, wie die tatsächliche Messung technisch erfolgt. Identifiziert wird sie über die Marktlokations-Identifikationsnummer (MaLo-ID), eine 11-stellige Zahl. Die erste Ziffer zeigt die ausstellende Stelle an (1–3 für DVGW/Gas, 4–9 für BDEW/Strom), gefolgt von einer eindeutigen Kennung und einer Prüfziffer. Vergeben wird die MaLo-ID vom zuständigen Netzbetreiber. Sie bleibt über die gesamte Lebensdauer der Marktlokation unverändert – auch bei einem Netzbetreiberwechsel oder einem Zählertausch.
Außerdem ist die Marktlokation die zentrale Bezugsgröße für Lieferantenwechsel, Netznutzungsabrechnung und Bilanzkreisabrechnung. Nach § 40 Abs. 2 Nr. 3 EnWG ist die Zählpunktbezeichnung der Marktlokation auf jeder Stromrechnung auszuweisen.
Wichtig für PV-Anlagenbetreiber: Erzeugt und verbraucht eine Liegenschaft gleichzeitig Strom (z. B. bei einer PV-Anlage), benötigt sie in der Regel zwei getrennte MaLo-IDs – eine für den Netzbezug (Verbrauchs-MaLo) und eine für die Einspeisung (Einspeise-MaLo).
Definition Messlokation
Die Messlokation ist demgegenüber der Ort der tatsächlichen, physikalischen Messung. Der BDEW definiert sie als “der Ort, an dem Energie gemessen wird”. Damit sind alle technischen Einrichtungen, die zur Ermittlung und Übermittlung der Messwerte erforderlich sind, gemeint. Im Kern zählen dazu Strom- oder Gaszähler.
Die Identifikation der Messlokation erfolgt über die Messlokations-Identifikationsnummer (MeLo-ID), die der Messstellenbetreiber (MSB) vergibt. Dabei unterscheidet man zwischen dem grundzuständigen Messstellenbetreiber (gMSB, i. d. R. identisch mit dem Netzbetreiber) und wettbewerblichen Messstellenbetreibern (wMSB). Die MeLo-ID ist eine 33-stellige alphanumerische Kennung, die mit “DE” beginnt. Verfügt eine Liegenschaft über mehrere Zähler bzw. Zählpunkte, gilt jeder davon als eigenständige Messlokation.
Verhältnis von Markt- und Messlokation
Marktlokation und Messlokation stehen in der Praxis meist im Verhältnis 1:1 zueinander, das System ist aber auch für komplexere Fälle ausgelegt. Häufig tritt beispielsweise der Fall auf, dass mehrerer Marktlokationen an einer Messlokation angeschlossen sind. Dabei läuft der Strom mehrerer kaufmännisch getrennter Abnehmer über nur einen physischen Zähler. Sofern etwa die Hausmeisterwohnung oder die extern betriebene Kantine auf dem Betriebsgelände ebenfalls versorgt werden, wird die gemessene Menge über synthetische Lastprofile rechnerisch auf die jeweiligen Marktlokationen aufgeteilt. Hier greift dann die Drittmengenabgrenzung.

Der umgekehrte Fall ist ebenfalls möglich. Dabei speisen mehrere Messlokationen eine einzelne Marktlokation. Diese sogenannten Lokationsbündel entstehen oftmals bei Betriebserweiterungen wie beispielsweise neue Fertigungsstraßen, Zubau von Hallen oder anderen Neubauten auf dem Firmengelände.
Für Betreiber von PV-Anlagen und Batteriespeicher ist vor allem eine andere Konstellation relevant. Erzeugt und verbraucht eine Liegenschaft gleichzeitig Strom, entstehen in der Regel zwei getrennte Marktlokationen (Verbrauchs-MaLo und Einspeise-MaLo), die jeweils über eine eigene Messlokation verfügen können.

Rechtlicher und regulatorischer Rahmen
Marktlokation und Messlokation sind keine Selbstzweck-Begriffe, sondern das Rückgrat der deutschen Marktkommunikation (MaKo) im Energiesektor. Sie sind die Basis des standardisierten elektronischen Datenaustauschs zwischen Netzbetreibern, Lieferanten und Messstellenbetreibern.
Zentrale Prozessregelwerke, die auf MaLo/MeLo aufbauen:
- GPKE (Geschäftsprozesse zur Kundenbelieferung mit Elektrizität) – regelt Lieferantenwechsel, An- und Abmeldungen auf Basis der Marktlokation.
- MPES (Marktprozesse für erzeugende Marktlokationen Strom) – speziell für Einspeise-Marktlokationen, also für PV- und andere Erzeugungsanlagen relevant.
- WiM Strom (Wechselprozesse im Messwesen Strom) – regelt den Wechsel des Messstellenbetreibers je Messlokation.
- MaBiS (Marktprozesse für die Bilanzkreisabrechnung Strom) – aggregiert Messwerte auf Ebene der Marktlokation für die Bilanzkreisabrechnung.
Wichtige BNetzA-Festlegungen entlang der Zeitachse:
- BK6-16-200 (Interimsmodell, Beschluss 20.12.2016): Einführung der MaLo-ID, verbindlich seit 1. Februar 2018.
- BK6-18-032 (“MaKo 2020”, 20.12.2018): Verschiebung der Aggregationsverantwortung bei intelligenten Messsystemen vom Verteilnetz- auf den Übertragungsnetzbetreiber.
- BK6-21-282 (“Absicherung der elektronischen Marktkommunikation Strom”, 31.3.2022): Schreibt für den Nachrichtenaustausch künftig AS4-Webservices und die Smart-Metering-PKI des BSI vor.
Auf technischer Ebene gilt: Der eigentliche Datenaustausch zwischen den Marktrollen läuft über standardisierte EDIFACT-Nachrichtenformate, allen voran UTILMD (Stammdatenaustausch, inkl. MaLo-/MeLo-Zuordnung), MSCONS (Übermittlung der Messwerte) und APERAK (Fehlerrückmeldungen). Diese Formate werden regelmäßig per BNetzA-Mitteilung fortgeschrieben – aktuell relevant ist Mitteilung Nr. 54 vom 1. Oktober 2025. Sie legt überarbeitete, spartenübergreifende Nachrichtentypversionen fest, die seit dem 1. April 2026 gelten.
Gesetzliche Verankerung: § 40 Abs. 2 Nr. 3 EnWG verpflichtet Lieferanten, auf jeder Stromrechnung die Zählpunktbezeichnung der Marktlokation auszuweisen.
Einfluss der Mess- und Marktlokation auf den Betrieb von PV-Anlagen und BESS
Wenn eine Liegenschaft nicht nur Strom bezieht, sondern auch selbst erzeugt und einspeist, ist eine Unterscheidung zwischen Markt- und Messlokation auch praktisch entscheidend. Die Messkonzepte müssen angepasst und Zweirichtungszähler integriert werden.
Einspeise-MaLo vs. Entnahme-MaLo
Erzeugt und verbraucht eine Marktlokation gleichzeitig Energie – etwa ein Unternehmen mit PV-Dachanlage –, entstehen in der Regel zwei separate Marktlokationen. Eine ist die Verbrauchs- bzw. Entnahme-MaLo für den Netzbezug und die andere ist die Einspeise-MaLo für die ins Netz eingespeiste PV-Energie. Beide werden jedoch häufig durch eine einzige Messlokation technisch erfasst. Hier ist der Zweirichtungszähler am Netzverknüpfungspunkt in der Lage, den Bezug und die Einspeisung getrennt zu registrieren.
Abgrenzung zum Zwischenzähler
Innerhalb der Liegenschaft – etwa zur Aufteilung des Verbrauchs auf PV-Eigenverbrauch, Batteriespeicher und einzelne Verbraucher oder Mieteinheiten – kommen oft zusätzliche Strom-Zwischenzähler zum Einsatz. Diese sind regulatorisch jedoch keine eigenen Messlokationen im MaKo-Sinne. Sie erhalten grundsätzlich keine eigene MeLo-ID und sind dem Messstellenbetreiber gegenüber nicht meldepflichtig, solange sie nur der internen, informativen Verbrauchsaufteilung dienen. Eine eigene Markt- und Messlokation wird erst dann relevant, wenn eine Untereinheit selbst zu einem eigenständigen Marktprozess wird. Dies ist etwa bei einem Mieterstrommodell oder der Gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung (GGV) der Fall.
Die MaLo-/MeLo-Struktur einer Liegenschaft hat direkten Einfluss darauf, wie man Netzbezug, Einspeisung und Speichernutzung messtechnisch erfasst, bilanziert und wirtschaftlich vermarktet. Eine geeignete Messkonzeption schafft damit die Grundlage für eine flexible und möglichst erlösoptimierte Bewirtschaftung des Batteriespeichers. Dies ist bereits in der Planungsphase zu berücksichtigen.
Vergleichstabelle: Marktlokation vs. Messlokation
| Marktlokation (MaLo) | Messlokation (MeLo) | |
| ID-Format | 11-stellige Zahl (1. Ziffer = ausstellende Stelle: 1–3 DVGW/Gas, 4–9 BDEW/Strom, gefolgt von Kennung + Prüfziffer) | 33-stellige alphanumerische Kennung, beginnend mit “DE” |
| Zuständigkeit | Vergabe durch den Netzbetreiber | Vergabe durch den Messstellenbetreiber (gMSB oder wMSB) |
| Zweck | Kaufmännisch-bilanzieller Bezugspunkt: Grundlage für Lieferantenwechsel, Netznutzungs- und Bilanzkreisabrechnung | Technischer Messpunkt: Erfassung und Übermittlung der tatsächlichen Zählerstände / Messwerte |
| Beispiel | Einspeise-MaLo einer PV-Anlage | Zweirichtungszähler am Netzverknüpfungspunkt, der Bezug und Einspeisung technisch erfasst |
FAQ
Was ist der Unterschied zwischen Marktlokation und Messlokation?
Die Marktlokation (MaLo) ist der kaufmännisch-bilanzielle Bezugspunkt im Netz, an dem Energie entnommen oder eingespeist wird. Sie ist Grundlage für Abrechnung und Lieferantenwechsel. Die Messlokation (MeLo) ist dagegen der physische Ort der tatsächlichen Messung, also der Zähler selbst.
Wofür brauche ich die MaLo-ID?
Die MaLo-ID wird vor allem bei Lieferantenwechsel, Vertragsabschluss und auf der Stromrechnung benötigt, da sie die eindeutige Zuordnung der Verbrauchs- oder Einspeisestelle ermöglicht. Sie ist auf der Strom- oder Einspeiseabrechnung des Netzbetreibers zu finden.
Kann eine Marktlokation mehrere Messlokationen haben?
Ja, das System ist grundsätzlich auch für komplexere Verhältnisse ausgelegt, etwa bei Lokationsbündeln oder vorübergehend während eines Zählerwechsels. In der Praxis häufiger dokumentiert ist allerdings der umgekehrte Fall. Also mehrere Marktlokationen an einer einzigen Messlokation, etwa wenn ein Gebäude nur einen physischen Zähler, aber mehrere kaufmännisch getrennte Abnehmer hat.
Benötigt eine PV-Anlage eine eigene Marktlokation?
Ja. Erzeugt und verbraucht eine Liegenschaft gleichzeitig Strom, entstehen in der Regel zwei getrennte Marktlokationen – eine Verbrauchs-MaLo für den Netzbezug und eine Einspeise-MaLo für die PV-Einspeisung. Beide werden häufig über eine gemeinsame Messlokation, den Zweirichtungszähler, erfasst.