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Bruttostromerzeugung (BSE) in Deutschland: Definition, aktuelle Zahlen & Entwicklung

Sie ist in Deutschland seit dem Rekordjahr 2017 deutlich gesunken, während erneuerbare Energien inzwischen mehr als die Hälfte der Erzeugung stellen. Wie sich der Strommix verändert, warum Wind und PV zunehmend die Erzeugungsseite prägen und weshalb dadurch der Flexibilitätsbedarf wächst, zeigt dieser Überblick.

Kurzüberblick

  • Die Bruttostromerzeugung (BSE) Deutschlands lag 2025 nach vorläufigen Zahlen bei rund 509 TWh. Das ist deutlich unter dem historischen Höchststand von 2017 (654 TWh).
  • Erneuerbare Energien trugen 2025 mit rund 292 TWh bzw. gut 57 % zur Bruttostromerzeugung bei, fossile Energieträger kamen auf rund 217 TWh (ca. 43 %). Kernenergie leistet seit der endgültigen Abschaltung im April 2023 keinen Beitrag mehr.
  • Windenergie ist mit rund 110 TWh der mit Abstand wichtigste Energieträger im deutschen Strommix, vor Photovoltaik (rund 90 TWh) und Erdgas (rund 85 TWh).
  • Bis 2030 soll die Bruttostromerzeugung aus erneuerbaren Energien auf rund 600 TWh steigen.

Was ist die Bruttostromerzeugung (BSE)?

Die Bruttostromerzeugung bezeichnet die gesamte im Inland an den Generatorklemmen erzeugte elektrische Energie. Es ist also die Strommenge, die Kraftwerke und Erzeugungsanlagen tatsächlich produzieren, bevor der Eigenbedarf der Kraftwerke selbst (z. B. für Pumpen, Kühlung oder Rauchgasreinigung) abgezogen wird. Man erfasst dabei generell alle Erzeugungsarten. Dazu zählen konventionelle Kraftwerke (Kohle, Erdgas, Kernenergie, Mineralöl), erneuerbare Energien (Wind, Photovoltaik, Wasserkraft, Biomasse, Geothermie) sowie Pumpspeicherkraftwerke und sonstige Energieträger wie der biogene Anteil von Siedlungsabfällen.

Die BSE ist damit die reine Angebotsseite des Stromsystems – im Unterschied zum Bruttostromverbrauch (BSV), der die Nachfrageseite abbildet und zusätzlich den Außenhandelssaldo (Import/Export) berücksichtigt.

Abgrenzung zu PEV, BEEV und BSV

KennzahlBezeichnungBezug
PEVPrimärenergieverbrauchGesamter Energieeinsatz vor Umwandlung, alle Sektoren und Energieträger
BEEVBruttoendenergieverbrauchEnergie, die tatsächlich bei den Verbrauchern ankommt, inkl. energiebedingter Eigenverbrauch
BSVBruttostromverbrauchAusschließlich der Stromsektor: gesamter erzeugter und importierter Strom vor Netz- und Umwandlungsverlusten
BSEBruttostromerzeugungAusschließlich der Stromsektor: im Inland erzeugte Strommenge, vor Eigenverbrauch der Kraftwerke

Von 2003 bis 2022 lag die BSE durchgehend über dem BSV – Deutschland war Nettoexporteur von Strom, mit einem Exportüberschuss-Höchststand von 52,5 TWh im Jahr 2017 (rund 8 % der Erzeugung). Seit 2023 hat sich das Verhältnis umgekehrt. Seitdem liegt die BSE unter dem BSV, Deutschland deckt einen kleinen Teil seines Verbrauchs über Nettoimporte. Eine ausführliche Einordnung des Bruttostromverbrauchs gibt es im Fachbeitrag zum BSV und die Gesamtabgrenzung aller vier Kennzahlen im Übersichtsartikel zur deutschen Energiebilanz.

Entwicklung der Bruttostromerzeugung in Deutschland

JahrBSE in TWhAnmerkung
1990549,9
2000576,6
2010632,5
2017654,2Historischer Höchststand
2025509,3EE-Anteil rund 57 %, Kernenergie 0 TWh
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Nach dem Rekordjahr 2017 ist die Bruttostromerzeugung spürbar gesunken – ein Rückgang um rund 22 % bis 2025. Ursächlich sind vor allem der schrittweise Kohleausstieg, die vollständige Abschaltung der Kernkraftwerke im April 2023 sowie ein insgesamt rückläufiger bzw. stagnierender Stromverbrauch infolge von Energieeffizienz und schwacher Industriekonjunktur. Gleichzeitig hat sich die Zusammensetzung der Erzeugung grundlegend gewandelt. Während 1990 fossile Energieträger und Kernenergie den Strommix nahezu vollständig dominierten, stellen erneuerbare Energien heute den größten Erzeugungsblock. Windenergie hat 2025 mit rund 110 TWh die Braunkohle (noch rund 75 TWh, niedrigster Wert seit 1990) als wichtigsten Einzelenergieträger im deutschen Strommix längst abgelöst.

Der Erzeugungsmix 2025 war zusätzlich von einem windschwachen ersten Quartal und geringen Niederschlägen geprägt – ein Beispiel dafür, wie stark die BSE mittlerweile witterungsabhängig ist. In solchen Phasen sprang verstärkt Erdgas als flexible Kapazität ein.

Regulatorischer Rahmen: Der 600-TWh-Zielpfad für erneuerbare Erzeugung

Um das EEG-2023-Ziel von 80 % erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch bis 2030 zu erreichen, muss die jährliche Bruttostromerzeugung aus erneuerbaren Energien auf rund 600 TWh steigen. Ausgehend von 292 TWh im Jahr 2025 entspricht das mehr als einer Verdopplung innerhalb weniger Jahre. Der Ausbau von Windenergie blieb 2025 nach Einschätzung mehrerer Marktbeobachter jedoch hinter den dafür nötigen Zielwerten zurück, während der Photovoltaik-Zubau die Erwartungen mit Rekordwerten von rund 17 GW installierter Leistung im Jahr 2024 übertraf. Parallel zum EE-Ausbau ist der vollständige Kohleausstieg spätestens bis 2038 gesetzlich festgelegt.

Einordnung: Warum die BSE für BESS- und PV-Betreiber die zentrale Kennzahl ist

Von den vier Kennzahlen der Energiebilanz ist die Bruttostromerzeugung diejenige mit der unmittelbarsten Relevanz für Batteriespeicher- und PV-Projekte.

  • Wachsende Volatilität: Mit steigendem Wind- und PV-Anteil an der BSE nimmt die Schwankungsbreite der Einspeisung zu – von windarmen Flauten bis zu sonnigen Mittagsspitzen mit Überangebot. Genau diese Schwankungen auszugleichen ist die zentrale Aufgabe von Batteriespeichersystemen.
  • Verdrängung konventioneller Kapazität: Der Rückgang von Kohle- und perspektivisch Gaskraftwerken reduziert die Zahl der klassischen, gut steuerbaren Erzeugungseinheiten. Die notwendige Flexibilität dazu muss zunehmend anderweitig entstehen, etwa durch Speicher und Nachfragesteuerung.
  • Regionale Verschiebungen: Der starke Zubau von Wind- und PV-Anlagen konzentriert sich auf bestimmte Regionen, was den Bedarf an Netzentlastung und lokaler Flexibilität vor Ort erhöht.

FAQ zur Bruttostromerzeugung

Was ist der Unterschied zwischen Bruttostromerzeugung und Nettostromerzeugung?

Die Bruttostromerzeugung umfasst die gesamte an den Generatorklemmen erzeugte Strommenge. Bei der Nettostromerzeugung wird zusätzlich der Eigenbedarf der Kraftwerke (z. B. für Pumpen und Hilfsaggregate) abgezogen – sie liegt daher stets etwas niedriger.

Wie hoch war die Bruttostromerzeugung in Deutschland 2025?

Nach vorläufigen Zahlen lag die Bruttostromerzeugung 2025 bei rund 509 TWh, davon rund 292 TWh aus erneuerbaren Energien.

Welcher Energieträger erzeugt in Deutschland am meisten Strom?

2025 war die Windenergie mit rund 110 TWh der wichtigste Energieträger im deutschen Strommix, gefolgt von Photovoltaik (rund 90 TWh) und Erdgas (rund 85 TWh).

Warum ist die Bruttostromerzeugung seit 2017 gesunken, obwohl mehr erneuerbare Energien zugebaut wurden?

Der Rückgang liegt vor allem am gleichzeitigen Wegfall konventioneller Erzeugungskapazität: Kernenergie (Abschaltung April 2023) und Kohlekraftwerke wurden schneller abgeschaltet, als erneuerbare Energien die Lücke füllen konnten – verstärkt durch einen insgesamt stagnierenden bis rückläufigen Stromverbrauch.

Wie viel Strom muss Deutschland 2030 aus erneuerbaren Energien erzeugen, um seine Ziele zu erreichen?

Um das EEG-Ziel von 80 % erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch zu erreichen, muss die Bruttostromerzeugung aus erneuerbaren Energien bis 2030 auf rund 600 TWh steigen – gegenüber 292 TWh im Jahr 2025 mehr als eine Verdopplung.

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