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Solarstrom ersparte EU-Gasimporte im Wert von 20 Mrd. Euro & könnte Bedarf bis 2030 um ein Viertel senken

Allein seit der Eskalation des Iran-Konflikts hat Solarstrom rechnerisch Gasimporte im Wert von 20 Mrd. Euro in die EU eingespart. Der weitere Ausbau könnte den Gasbedarf der EU bis 2030 um weitere 25 Prozent reduzieren.

Die EU hat ihren Erdgasbedarf zwischen 2021 und 2024 bereits um 20 % gesenkt – vor allem durch den Zubau von Photovoltaik, Windenergie und Wärmepumpen. Allein der in der EU erzeugte Solarstrom ersparte EU-Gasimporte während des Irankonflikts zwischen 1. März und 15. Juli 2026 im Wert von 20 Mrd. Euro. Erreicht die EU ihre Ausbauziele bis 2030, sinkt der Gasbedarf um ein weiteres Viertel gegenüber heute. Parallel zeigt der aktuelle Iran-Konflikt, wie unmittelbar sich diese Wirkung entfaltet:

Lo más importante en resumen

  • Strukturell: Nach dem Importstopp für russisches Erdgas, senkte die EU ihren Gasbedarf 2021–2024 um 20 % (–78,5 Mrd. m³). Möglich war dies durch 146 GW neu installierte Photovoltaik, 43 GW Windenergie und 7,6 Millionen neue Wärmepumpen.
  • Zielpfad bis 2030: Erreicht die EU ihre Ausbauziele (75 GW PV, 22 GW Wind, 4 Mio. Wärmepumpen – jeweils pro Jahr), sinkt der Gasbedarf bis Ende 2030 um weitere 25 %. Das entspricht der doppelten Menge des LNG-Volumens, das die EU bis 2030 maximal aus Katar importieren könnte.
  • Akuter Stresstest: Seit der Eskalation des Iran-Konflikts Anfang März 2026 hat die europäische Photovoltaik bis Mitte Juli rechnerisch 20 Milliarden Euro an Gasimporten vermieden. Dies entspricht einem Tagesdurchschnitt von zuletzt 146 Millionen Euro.
  • Risikohintergrund: Die LNG-Importe der EU sind aufgrund des russischen Erdgas-Embargos zwischen 2021 und 2025 jedoch um 84 % gestiegen. Schäden an Exportanlagen in Katar, einem der wichtigsten Lieferanten Europas, verschärfen das Versorgungsrisiko zusätzlich.

Strukturelle Gasverdrängung: Was der EE-Ausbau bereits bewirkt hat

Nach Berechnungen des Institute for Energy Economics and Financial Analysis (IEEFA) hat die EU ihren Gasbedarf zwischen 2021 und 2024 um 20 % reduziert. IEEFA-Analystin Ana Maria Jaller-Makarewicz führt das vor allem auf den kombinierten Effekt aus Photovoltaik- und Windenergie-Zubau, Wärmepumpen-Installationen und gezielten Gaseinsparmaßnahmen zurück. In diesem Zeitraum installierten die EU-Mitgliedstaaten:

  • 146 GW Photovoltaik-Leistung
  • 43 GW Windenergie-Leistung
  • 7,6 Millionen Wärmepumpen

Bereits 2024 verdrängten Wärmepumpen sowie zusätzliche Solar- und Windstromerzeugung nach IEEFA-Schätzung eine Gasmenge, die etwa zwei Dritteln der EU-Importe von katarischem LNG in jenem Jahr entsprach.

EU-Zubau: Ist-Tempo (2021–2024) vs. Zielpfad ab 2025

TecnologíaIst 2021–2024 (gesamt)Ist Ø p.a.EU-Ziel ab 2025 (p.a.)
Fotovoltaica146 GW~48,7 GW/Jahr75 GW/Jahr
Windenergie43 GW~14,3 GW/Jahr22 GW/Jahr
Bombas de calor7,6 Mio. Einheiten~2,5 Mio./Jahr4 Mio./Jahr

Der Vergleich zeigt: Das bisherige Ausbautempo liegt bei allen drei Technologien noch spürbar unter dem, was die EU-Ziele ab 2025 verlangen. Bei Photovoltaik müsste sich das Tempo um gut 50 % erhöhen, bei Wind um rund 54 %, bei Wärmepumpen um etwa 60 %.

Weshalb Solarstrom EU-Gasimporte auch strategisch senken muss

Während der EE-Ausbau den Gasbedarf strukturell senkt, möchte die EU mehr Gas importieren. Die LNG-Importe stiegen von 2021 bis 2025 – als Folge des russischen Überfalls auf die Ukraine – um 84 %. Mit der Eskalation des Iran-Konflikts entsteht laut IEEFA ein zusätzliches, erhebliches Versorgungsrisiko, das sich unter anderem in Schäden an Exportanlagen in Katar zeigt – einem der wichtigsten LNG-Lieferanten Europas.

Erreicht die EU ihre Zubauziele von jährlich 75 GW Photovoltaik, 22 GW Wind und 4 Millionen Wärmepumpen, sinkt der Gasbedarf laut IEEFA bis Ende 2030 um ein Viertel gegenüber heute. Dabei sind die weiteren Einsparmaßnahmen noch nicht eingerechnet. Diese Einsparung entspricht der doppelten Menge an LNG, die die EU bis 2030 maximal aus Katar importieren könnte.

Der Krisen-Stresstest: Iran-Konflikt seit März 2026

Während die IEEFA-Analyse die strukturelle, langfristige Wirkung des EE-Ausbaus zeigt, liefert eine Berechnung von Solarpower Europe den Beleg für die kurzfristige, akute Wirkung. Seit der Eskalation des Nahostkonflikts Anfang März 2026 haben europäische Solaranlagen so viel Strom geliefert, dass sich damit rechnerisch EU-Gasimporte in zweistelliger Milliardenhöhe vermeiden ließen.

Solarstrom ersparte EU-Gasimporte

Solarpower Europe hat den Zeitraum seit Konflikteskalation in zwei Etappen beziffert: Bis zum 20. Mai 2026 belief sich die kumulierte Ersparnis auf 10 Milliarden Euro, getragen von einem besonders hohen Tagesdurchschnitt von 110 Millionen Euro allein im Peak-Monat März. Bis zum 15. Juli 2026 – also über den gesamten 137-tägigen Zeitraum seit dem 1. März – verdoppelte sich der Wert auf 20 Milliarden Euro, bei einem Tagesdurchschnitt von 146 Millionen Euro. Eine offizielle Aufschlüsselung nach einzelnen Kalendermonaten hat der Verband nicht veröffentlicht.

Dass die zweite Hälfte des Zeitraums – von Ende Mai bis Mitte Juli – überproportional zur Gesamtersparnis beigetragen haben dürfte, lässt sich anhand unabhängiger Daten des Thinktanks Ember plausibilisieren. Demnach erreichte der Solaranteil an der EU-Stromerzeugung im Mai 2026 mit 47 TWh (23 %) einen neuen Rekordwert, der im Juni 2026 mit 52 TWh (25 %) noch einmal übertroffen wurde. Somit war Solar erstmals für einen ganzen Monat die stärkste Stromquelle der EU, vor Kernkraft, Gas, Wind und Kohle.

Zur Einordnung der Größenordnung: Mit 10 Mrd. Euro ließen sich laut Solarpower Europe rund 8 GW zusätzliche Photovoltaik-Leistung installieren – etwa 12 % der gesamten 2025 in der EU neu installierten PV-Leistung – oder alternativ rund 44 GWh utility-scale Batteriespeicherkapazität, mehr als das Dreifache dessen, was Europa 2025 in diesem Segment neu zugebaut hat.

Gaspreisentwicklung als Auslöser

Die zugrunde liegende Preisdynamik macht deutlich, wie unmittelbar sich geopolitische Risiken auf europäische Energiekosten übertragen:

MomentoTTF-Gaspreis
Vor Konflikteskalation (Ø Herbst 2025 bis März 2026)~30 €/MWh
März 2026 (Peak)> 60 €/MWh
Mitte April 2026~38 €/MWh
Mai 2026~52 €/MWh

Die Blockade der Straße von Hormuz und Schäden an fossiler Infrastruktur ließen die europäischen Gas-Futures im März 2026 auf einen Höchststand von über 60 €/MWh steigen – doppelt so viel wie im Durchschnitt der Vormonate. Solarpower-Europe-CEO Walburga Hemetsberger ordnet das in den größeren Kontext ein: Die durch Russlands Überfall auf die Ukraine ausgelöste Energiekrise habe die EU insgesamt bereits 1,7 Billionen Euro gekostet.

Solarstrom im europäischen Strommix 2025

Der Jahresbericht des Copernicus Climate Change Service (ESOTC 2025) liefert den strukturellen Hintergrund für diesen Krisen-Puffereffekt. Photovoltaik deckte 2025 insgesamt 12,5 % des europäischen Strombedarfs, nach 10,3 % im Vorjahr. Getragen ist diese Steigerung durch 65 GW PV-Zubau sowie überdurchschnittlicher Sonneneinstrahlung in Nordwest-, Mittel- und Osteuropa. Erneuerbare insgesamt deckten 46,4 % des europäischen Strombedarfs; Photovoltaik und Windenergie lieferten 2025 gemeinsam erstmals mehr Strom als Kohle- und Gaskraftwerke.

Einordnung: Was das für Netzflexibilität & Speicher bedeutet

Beide Studien verweisen – wenn auch am Rande – auf einen Aspekt, der für den weiteren Ausbaupfad entscheidend wird: Je größer der Anteil wetterabhängiger Erzeugung, desto wichtiger wird die Fähigkeit des Systems, Erzeugungsspitzen zeitlich zu verschieben. Solarpower Europe benennt das direkt, indem die vermiedenen Gasimportkosten alternativ in Batteriespeicherkapazität umgerechnet werden – mit einem Vielfachen des aktuellen jährlichen Speicherzubaus. Auch IEEFA verweist auf notwendige Netzinvestitionen als Voraussetzung dafür, dass die Zubauziele überhaupt in eine reale Gasverdrängung münden.

Für Betreiber und Investoren von Großbatteriespeichern (BESS) heißt das: Der PV- und Windausbau erzeugt nicht nur zusätzliche Erzeugungsspitzen, sondern auch einen wachsenden Bedarf an Flexibilität, um diese Spitzen netzdienlich zu verschieben und ihren Versorgungssicherheits-Beitrag tatsächlich zu heben. Mehr dazu in unseren Fachbeiträgen Comercialización de la flexibilidad y Revenue Stacking & Virtual Cycling.

Häufige Fragen wie Solarstrom EU-Gasimporte ersparen

Wie stark hat die EU ihren Gasbedarf durch Erneuerbare bereits gesenkt?

Zwischen 2021 und 2024 sank der EU-Gasbedarf um 20 % (rund 78,5 Mrd. m³), maßgeblich getragen durch den Zubau von Photovoltaik, Windenergie und Wärmepumpen.

Wie stark könnte der EU-Gasbedarf bis 2030 sinken?

Erreicht die EU ihre Zubauziele von jährlich 75 GW Photovoltaik, 22 GW Wind und 4 Millionen Wärmepumpen, könnte der Gasbedarf bis Ende 2030 um ein weiteres Viertel gegenüber heute sinken.

Wie viel Geld hat Solarstrom seit dem Iran-Konflikt an Gasimporten eingespart?

Nach Berechnungen von Solarpower Europe vermied die europäische Photovoltaik-Flotte zwischen dem 1. März und dem 15. Juli 2026 rechnerisch Gasimporte im Wert von 20 Milliarden Euro – bei zuletzt durchschnittlich 146 Millionen Euro pro Tag.

Detalles

Wie stark sind die EU-LNG-Importe zuletzt gestiegen?

Zwischen 2021 und 2025 stiegen die LNG-Importe der EU um 84 %, vor allem als Folge des russischen Überfalls auf die Ukraine.

Fuentes

  • IEEFA: New solar, wind and heat pumps could save twice the gas the EU imports from Qatar by 2030 (ieefa.org)
  • Solarpower Europe: Europe’s energy crisis solar savings pass €10 billion (solarpowereurope.org, 20.05.2026)
  • Copernicus Climate Change Service: European State of the Climate 2025 (ESOTC 2025)
  • pv magazine Deutschland: “Neue Photovoltaik-Anlagen, Windräder und Wärmepumpen könnten EU-Erdgasbedarf bis 2030 um ein Viertel senken” (28.07.2026)
  • pv magazine Deutschland: “Europäische Photovoltaik-Anlagen haben seit Eskalation des Iran-Konflikts Gasimporte im Wert von zehn Milliarden Euro vermieden” (20.05.2026)
  • Euronews: Update zur 20-Mrd.-Euro-Ersparnis (16.07.2026)

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