Die Debatte um neue Gaskraftwerke als Sicherheitsnetz für die Energiewende verschärft sich. Während Ministerin Katharina Reiche ursprünglich rund 20 GW neue Kapazitäten forderte, einigten sich die Bundesregierung und die EU Anfang 2026 auf einen deutlich kleineren Rahmen: Ausgeschrieben werden demnach nun 10 GW Gaskraftwerke sowie 2 GW technologieoffene Kapazitäten, um die Versorgung bei Période sombre abzusichern.
Doch welche finanziellen Folgen hat dieser Zubau? Eine aktuelle Kurzstudie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) im Auftrag von Green Planet Energy zeigt: Strom aus Erdgas ist weitaus teurer als oft behauptet. Bezieht man neben den Stromgestehungskosten auch die gesamtgesellschaftlichen Folgekosten mit ein, wird das vermeintliche Backup zur kostspieligen Belastung.
Gaskraftwerke als Baustein der Versorgungssicherheit?
Mit dem wachsenden Anteil von Wind- und Solarstrom verändert sich die Struktur des Stromsystems grundlegend. Da erneuerbare Energien wetterabhängig erzeugen, sind zusätzliche flexible Kapazitäten erforderlich, die kurzfristig einspringen können. Genau diese Rolle sollen nach Ansicht des BMWE künftig primär zusätzliche steuerbare Gaskraftwerke übernehmen. Nach Accumulateurs de grande capacité und Wasserkraft gelten Gaskraftwerke als relativ flexibel im Vergleich zu anderen fossilen Kraftwerken. Sie können relativ schnell hoch- und herunterfahren und eignen sich daher grundsätzlich, um kurzfristige Stromlücken zu schließen. Allerdings stehen sie zunehmend im Fokus wirtschaftlicher und klimapolitischer Diskussionen – insbesondere im Hinblick auf ihre tatsächlichen Kosten.
Stromgestehungskosten von Gaskraftwerken
Betrachtet man ausschließlich die klassischen Stromgestehungskosten, liegen die Kosten für Strom aus neuen Gaskraftwerken laut verschiedenen Berechnungen derzeit im Bereich von etwa 19 bis 23 Cent pro Kilowattstunde.
Diese Kosten setzen sich aus mehreren Komponenten zusammen:
- Investitionskosten für Bau und Finanzierung des Kraftwerks
- Betrieb und Wartung
- Brennstoffkosten für Erdgas
- Kosten aus dem europäischen Emissionshandel (CO₂-Zertifikate)
Un wesentlicher et unkalkulierbarer Kostenfaktor ist dabei der Brennstoff selbst. Gaspreise unterliegen starken Marktschwankungen und können die Wirtschaftlichkeit eines Kraftwerks erheblich beeinflussen. Hinzu kommt der Prix CO₂, der im europäischen Emissionshandel künftig voraussichtlich weiter steigen wird und damit zusätzliche Kosten für fossile Kraftwerke verursacht.
Gesellschaftliche Kosten von Gaskraftwerken
Die erwähnte FÖS-Studie erweitert diese klassische Betrachtung um sogenannte gesamtgesellschaftliche Kosten. Darunter verstehen die Autoren Kosten, die zwar durch die Nutzung fossiler Energieträger entstehen, jedoch nicht vollständig im Strompreis enthalten sind.
Zu diesen Kosten zählen unter anderem:
- Klimaschäden durch CO₂-Emissionen
- Methanemissionen entlang der Gasförder- und Transportkette
- staatliche Förderungen für Gasinfrastruktur
- wirtschaftliche Risiken durch Energiepreiskrisen
Werden diese Faktoren in die Rechnung einbezogen, steigen die Kosten für Strom aus Gaskraftwerken laut Studie deutlich an. Je nach Annahmen könnten sich die Gesamtkosten auf 35 bis 67 Cent pro Kilowattstunde belaufen. Ein Teil dieser Kosten entsteht durch Klimaschäden, die im heutigen Strompreis nur teilweise berücksichtigt werden. So kann ein einzelnes Gaskraftwerk über seine Laufzeit mehrere Millionen Tonnen CO₂ ausstoßen. In der Modellrechnung der Studie verursacht ein Referenzkraftwerk mit 500 Megawatt Leistung je nach Auslastung bis zu 8,4 Millionen Tonnen CO₂. Je nach zugrunde gelegtem Bewertungsansatz entstehen daraus Klimaschäden in Milliardenhöhe.
Zentrale Zahlen der Studie von Strom aus Gaskraftwerken (Beispiel)
| Kennzahl | Wert |
| Beispielkraftwerk | 500 MW Gaskraftwerk |
| Typische Stromgestehungskosten | ca. 19–23 ct/kWh |
| Anteil Brennstoffkosten | ca. 6–7 ct/kWh |
| Gesamtkosten inkl. externer Effekte | 35–67 ct/kWh |
| CO₂-Emissionen über Lebensdauer | bis zu 8,4 Mio. t CO₂ |
| Mögliche Klimaschadenskosten | bis zu 7 Mrd. € |
Vergleich mit erneuerbaren Energien & alternativen Backup-Optionen
Zum Vergleich: Die Stromgestehungskosten neuer Wind- und Photovoltaikanlagen liegen nach aktuellen Studien häufig unter 10 Cent pro Kilowattstunde. Allerdings erfüllten diese Technologien eine andere Rolle im Stromsystem, meinen die Autoren der Studie. Während sie kostengünstigen Strom erzeugten, seien zusätzliche flexible Kapazitäten notwendig, um Angebot und Nachfrage jederzeit auszugleichen. Neben Gaskraftwerken werden dafür verschiedene Alternativen diskutiert, etwa:
- Stockage sur batterie
- Bioenergieanlagen
- Wasserstoffkraftwerke
- Lastmanagement und flexible Stromnachfrage
Welche Kombination dieser Technologien langfristig die kostengünstigste Lösung für die Versorgungssicherheit darstellt, ist Gegenstand intensiver energiepolitischer und wirtschaftlicher Analysen.
Kostenvergleich verschiedener Technologien
Bereits seit Mitte der 2010er Jahre liegen die Kosten der Erneuerbaren unter denen der fossilen Brennstoffe. Die Wind- und PV-Gestehungskosten sinken seitdem leicht. Die Werte dieser Tabelle stammen u. a. aus der aktuellen FÖS-Studie und von der Fraunhofer ISE.
| Technologie | Coûts de production de l'électricité |
| Photovoltaik (neue Anlagen) | < 10 ct/kWh |
| Windenergie (Onshore) | < 10 ct/kWh |
| Gaskraftwerk (mit CO₂-Preis) | 19–23 ct/kWh |
| Gaskraftwerk inkl. externer Kosten | 35–67 ct/kWh |
| Wasserstoffkraftwerke (Prognose) | ca. 23–60 ct/kWh |
Einordnung: Ein komplexer Kostenvergleich
Die Ergebnisse der Studie zeigen vor allem eines: Die Bewertung von Kraftwerkstechnologien hängt stark davon ab, welche Kosten in die Betrachtung einbezogen werden. Während klassische Stromgestehungskosten nur die direkten Kosten der Stromproduktion berücksichtigen, versuchen umfassendere Analysen auch externe Effekte wie Klimaschäden oder systemische Risiken einzubeziehen. Beide Perspektiven spielen in energiepolitischen Entscheidungen eine Rolle. Für die zukünftige Ausgestaltung des Stromsystems wird daher entscheidend sein, wie Versorgungssicherheit, Klimaziele und wirtschaftliche Effizienz miteinander in Einklang gebracht werden können.
