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Levelized Cost of Storage (LCOS): Die zentrale Kostenkennzahl für BESS

Der Kaufpreis eines Batteriespeichers sagt nur einen Bruchteil über seine Wirtschaftlichkeit aus. Entscheidend ist die Levelized Cost of Storage (LCOS) – die Kennzahl, die Investitionsentscheidungen auf eine belastbare Grundlage stellt.

Wer Investitionsentscheidungen für Batteriespeichersysteme (BESS) trifft oder bewertet, kommt an einer Kennzahl nicht vorbei: der Levelized Cost of Storage (LCOS). Anders als der reine Anschaffungspreis pro Kilowattstunde bildet die LCOS die tatsächlichen Vollkosten einer gespeicherten und wieder ausgespeisten Kilowattstunde über die gesamte Lebensdauer eines Systems ab. Sie macht damit unterschiedliche Speicherprojekte, Technologien und Betreibermodelle erstmals wirklich vergleichbar. Für Investoren und Banker ist die LCOS damit das, was die Levelized Cost of Electricity (LCOE) für Photovoltaik- oder Windprojekte ist: die gemeinsame Vergleichsbasis, auf der sich Finanzierungsentscheidungen sauber begründen lassen.

Was ist LCOS und warum ist sie für Investoren entscheidend?

Die LCOS beschreibt die durchschnittlichen Gesamtkosten, die pro Megawattstunde (MWh) durchgespeichertem Strom über die komplette Lebensdauer eines Batteriespeichersystems anfallen. Sie berücksichtigt nicht nur die Náklady na pořízení (CAPEX), sondern auch sämtliche Provozní náklady (OPEX), die Kapitalkosten der Finanzierung sowie den tatsächlich nutzbaren Energiedurchsatz über die Lebensdauer der Anlage.

Der entscheidende Unterschied zu einer einfachen Preis-pro-kWh-Betrachtung: Zwei Speichersysteme mit identischem Anschaffungspreis können völlig unterschiedliche LCOS-Werte aufweisen – abhängig davon, wie viele Zyklen sie über ihre Lebensdauer leisten, wie hoch ihr Wirkungsgrad ist und wie schnell sie degradieren. Genau deshalb hat sich die LCOS international als Standardkennzahl für die Bewertung von Speicherprojekten durchgesetzt, insbesondere im Rahmen von Projektfinanzierungen und Due-Diligence-Prüfungen.

Die LCOS-Formel im Detail

In vereinfachter Form lässt sich die LCOS wie folgt berechnen:

LCOS = (CAPEX + Σ diskontierte OPEX über Lebensdauer) / (Σ diskontierter Energiedurchsatz über Lebensdauer)

Etwas ausführlicher, unter Berücksichtigung der Kapitalkosten:

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Dabei gilt:

  • t = Betriebsjahr
  • r = Diskontierungssatz (WACC, Weighted Average Cost of Capital)
  • n = Nutzungsdauer des Speichers
  • FUEL = Kosten für die Ladeenergie pro Jahr
  • Investitionsausgaben = CAPEX inkl. eventueller Ersatzinvestitionen (Augmentation) während der Lebensdauer
  • Provozní náklady = OPEX inkl. Wartung, Versicherung, Flächenmiete, Netzentgelte
  • E OutAbgegebene Energiemenge = tatsächlich nutzbare Energie pro Jahr, abhängig von Zyklenzahl, Entladetiefe (DoD) und Wirkungsgrad

Diese letzte Größe – die abgegebene Energiemenge – ist der Punkt, an dem Round-Trip-Efficiency (RTE) und State of Health (SoH) unmittelbar in die LCOS-Berechnung einfließen. Wie diese beiden Kennzahlen den nutzbaren Energiedurchsatz über die Lebensdauer eines Systems bestimmen, haben wir im Detail in unserem Artikel zu Round-Trip-Efficiency (RTE) und State of Health (SoH) bei BESS beschrieben. Wer die LCOS eines Projekts verbessern will, muss also genau an diesen beiden Stellschrauben ansetzen

Die wichtigsten Einflussfaktoren auf die LCOS

Zellchemie und Round-Trip-Efficiency

Jeder Prozentpunkt zusätzlicher RTE erhöht die pro Zyklus nutzbare Energiemenge und senkt damit die LCOS unmittelbar. Moderne Batteriesysteme mit LFP-Zellen erreichen heute RTE-Werte von rund 90 bis 98 Prozent – ein deutlicher Sprung gegenüber älteren Systemgenerationen mit rund 85 Prozent. Details zu den technischen Hintergründen und zur laufenden Messung finden sich in unserem RTE/SoH-Beitrag.

Zyklen, Lebensdauer & Degradation

Die Lebensdauer eines Systems – gemessen in nutzbaren Vollzyklen – geht direkt in den Nenner der LCOS-Formel ein. Teure und schwere LTO-Zellen erreichen heute bis zu 20.000 Zyklen und die üblicherweise verwendeten LFP-články je nach Anwendungsprofil 4.000 bis 10.000 Zyklen beziehungsweise 12 bis 20 Jahre Lebensdauer. Ältere NMC-Systeme lagen oft nur bei 1.000 bis maximal 3.000 Zyklen. Eine längere Lebensdauer verteilt die Fixkosten der Anlage auf eine größere Energiemenge und senkt die LCOS spürbar – unabhängig vom reinen Zellpreis.

Finanzierungskosten (WACC)

Ein häufig unterschätzter Hebel: Die Kapitalkosten fließen über den Diskontierungssatz direkt in die Formel ein. Sinken die Finanzierungskosten eines Projekts beispielsweise von 10 auf 7 Prozent, kann sich dies mit mehreren Euro pro MWh in der LCOS niederschlagen – ein Effekt, der bei Projektfinanzierungen mit klar strukturierten, planbaren Erlösmodellen (etwa durch Auktionsmechanismen oder langfristige Verträge) an Bedeutung gewinnt, da diese das wahrgenommene Projektrisiko und damit die Kapitalkosten senken.

Augmentation- und End-of-Life-Kosten

Bei längeren Vertragslaufzeiten müssen Betreiber häufig Kapazität nachrüsten (Augmentation), um die zugesagte Leistung trotz Degradation zu halten. Diese Kosten gehören ebenso in die CAPEX-Betrachtung wie ein möglicher Restwert der Zellen am Lebensende, etwa durch eine Second-Life-Verwertung in weniger anspruchsvollen Anwendungen. Beide Effekte wirken gegenläufig auf die LCOS und sollten in einer sauberen Projektkalkulation nicht fehlen.

LCOS-Benchmark 2026: Utility-Scale vs. C&I-Speicher

Bei der Einordnung von LCOS-Werten ist Vorsicht geboten: Marktberichte nennen sehr unterschiedliche Zahlen, weil sie unterschiedliche Marktsegmente, Systemgrößen und CAPEX-Basen zugrunde legen. Für eine seriöse Bewertung lohnt sich daher eine klare Trennung nach Anlagenklasse.

Typische SystemgrößeCAPEX-Basis (2026)LCOS-BandbreiteHaupttreiber
Utility-Scale (Großspeicher)ab 10 MWh, oft > 100 MWhca. 125 US-Dollar/kWh (global, ex. USA/China)ca. 60–70 US-Dollar/MWh (≈ 5,5–6,5 ct/kWh)Skaleneffekte, niedrige Finanzierungs-kosten, lange Lebensdauer
C&I-Speicher (Gewerbe/ Industrie)100 kWh – 10 MWhca. 250–500 €/kWh vollinstallierthöher als Utility-Scale, stark projektabhängigHöhere Stückkosten durch geringere Skalierung, individuelle Netzanschlüsse
Heimspeicherbis 15 kWhca. 350–500 €/kWhca. 4–8 ct/kWh (nutzerbezogen, andere Berechnungslogik)Fixkostenanteil (BMS, Gehäuse) pro kWh vergleichsweise hoch

Wichtiger Einordnungshinweis: Die häufig zitierten globalen Utility-Scale-Werte von rund 65 US-Dollar/MWh (Quelle u. a. Ember-Analyse, Oktober 2025, sowie BloombergNEF) beziehen sich auf großskalige Projekte außerhalb der USA und Chinas mit güns­tigen Beschaffungskonditionen. Deutsche C&I-Projekte liegen aufgrund geringerer Skaleneffekte, höherer individueller Netzanschlusskosten und kleinerer Losgrößen strukturell über diesem Wert – ein direkter Vergleich der nackten Zahl ohne Berücksichtigung der Anlagenklasse führt daher in die Irre. Für Investoren empfiehlt sich, LCOS-Werte grundsätzlich nur innerhalb derselben Segmentklasse zu vergleichen.

Die historische Entwicklung zeigt dennoch die klare Richtung: Lag die globale LCOS 2015 noch bei über 300 US-Dollar/MWh, wird sie 2025/26 mit rund 65 US-Dollar/MWh beziffert – ein Rückgang von über 78 Prozent in zehn Jahren, getrieben durch fallende Zellpreise, längere Lebensdauern, höhere Wirkungsgrade und sinkende Finanzierungskosten.

LCOS im Kontext von Multi-Use & Revenue Stacking

Die LCOS bildet ausschließlich die Kostenseite eines Speicherprojekts ab. Ob sich ein Projekt wirtschaftlich trägt, entscheidet sich erst im Vergleich mit den erzielbaren Erlösen – und die entstehen bei modernen Großspeichern selten aus einer einzigen Erlösquelle. Durch Multi-Use-Strategien, die FTM-Erlöse mit BTM-Einsparungen kombinieren, lässt sich der Wert eines Speichers deutlich über die reine Kostenbetrachtung hinaus steigern. Mehr dazu in unserem Beitrag zu Revenue Stacking & Virtual Cycling.

Für Investoren bedeutet das: Eine niedrige LCOS allein ist kein aussagekräftiges oder hinreichendes Wirtschaftlichkeitskriterium. Erst die Gegenüberstellung von LCOS und realistisch erzielbaren Erlösen pro MWh – unter Berücksichtigung von Vermarktungsgebühren und Prognoseabweichungen – ergibt ein belastbares Bild der Projektrentabilität.

Kauf, Contracting oder CPFS – LCOS als Schlüsselwert

Die LCOS ist immer eine äußerst wichtige Kennzahl desjenigen, der ein Speichersystem besitzt, finanziert und betreibt – denn nur der Eigentümer trägt CAPEX, OPEX und das Investitionsrisiko, die in die Formel einfließen. Sie wird im Rahmen der Výpočet s otevřenými účetními knihami eines Batteriespeichers jedes Mal ermittelt und spielt bei der Planung, Konzeption und Dimensionierung eine entscheidende Rolle. Der Wert ist bei einem klassischen Kauf für den Auftraggeber und bei Uzavírání smluv für CUBE CONECPTS selbst äußerst interessant. Auch bei CPFS (CUBE Profit Flex Solution®), einer Contracting Variante, ist die LCOS-Berechnung ein zentraler Schritt. Hier entscheidet sich, ob und zu welchen Konditionen ein Projekt tragfähig ist, und sie bildet die Basis für die Strukturierung des Profit-Share-Modells.

Für den Auftraggeber selbst ist die LCOS bei CPFS dagegen keine direkt relevante Kennzahl, da er kein Kapital bindet und kein Betriebsrisiko trägt. Ihn interessieren andere Größen: der Wegfall der CAPEX-Belastung, die vertraglich vereinbarte Erlösbeteiligung sowie mögliche Exit-Optionen.

Für Investoren und Finanzierungspartner von CUBE CONCEPTS wiederum ist die LCOS sehr wohl eine zentrale Kennzahl – schließlich bewerten sie damit, ob die zugrunde liegenden Projekte wirtschaftlich solide kalkuliert sind und die erwarteten Erlöse die Speicherkosten nachhaltig übersteigen.

Rechenbeispiel: LCOS eines C&I-Speichers (5 MW / 10 MWh)

Zur Veranschaulichung ein vereinfachtes Rechenbeispiel für ein größeres gewerbliches System mit 5 MW Leistung und 10 MWh Kapazität (2-Stunden-System, ohne Diskontierung, zur intuitiven Einordnung):

Variante A – lineare Skalierung:

  • Investition: 10 MWh-System zu 450 €/kWh → 4.500.000 € CAPEX
  • Nutzbare Zyklen über Lebensdauer: 6.000 Zyklen
  • Entladetiefe (DoD): 90 Prozent
  • Nutzbare Energiemenge über Lebensdauer: 6.000 × 0,9 × 10 MWh = 54.000 MWh
  • Laufende Betriebskosten über Lebensdauer: geschätzt 15 Prozent der CAPEX, also 675.000 €

LCOS = (4.500.000 € + 675.000 €) / 54.000 MWh ≈ 96 €/MWh (≈ 9,6 ct/kWh)

Variante B – mit realistischem Skaleneffekt:

In der Praxis sinkt der spezifische CAPEX bei einem 10-MWh-System gegenüber einem kleineren System spürbar, da sich Kosten für Leistungselektronik (PCS), Netzanschluss, Planung und Errichtung auf eine größere Kapazität verteilen. Ein realistischer Wert liegt eher bei rund 390 €/kWh statt 450 €/kWh:

  • Investition: 10 MWh-System zu 390 €/kWh → 3.900.000 € CAPEX
  • Laufende Betriebskosten: 15 Prozent der CAPEX → 585.000 €
  • Nutzbare Energiemenge über Lebensdauer: unverändert 54.000 MWh

LCOS = (3.900.000 € + 585.000 €) / 54.000 MWh ≈ 83 €/MWh (≈ 8,3 ct/kWh)

Der reine Skaleneffekt senkt die LCOS in diesem Beispiel um rund 13 Prozent – ein Wert, der sich auch mit den in unserem RTE/SoH-Artikel genannten 10–15 Prozent LCOS-Verbesserung durch bessere Systemauslegung deckt. Zum Vergleich: Utility-Scale-Systeme (ab rund 100 MWh) profitieren von noch stärkeren Skaleneffekten und niedrigeren Finanzierungskosten und können bei gleicher Zyklenzahl deutlich unter 70 €/MWh liegen. Der Unterschied verdeutlicht, warum sowohl Systemgröße als auch Segmentzugehörigkeit für die Einordnung einer LCOS-Zahl entscheidend sind.

FAQ: Levelized Cost of Storage

Was ist der Unterschied zwischen LCOS und LCOE?

Die LCOE (Levelized Cost of Electricity) bildet die Gestehungskosten der Stromerzeugung ab, etwa bei einer Photovoltaikanlage. Die LCOS (Levelized Cost of Storage) bildet dagegen die Kosten der Speicherung und Wiederausspeisung einer bereits erzeugten Kilowattstunde ab. Bei kombinierten PV-Speicher-Projekten ergibt sich der Gesamtpreis für nutzbaren, verschiebbaren Strom aus der Summe beider Kennzahlen.

Wie senkt eine hohe Round-Trip-Efficiency die LCOS?

Eine höhere RTE erhöht die tatsächlich nutzbare Energiemenge pro Zyklus. Da dieser Wert im Nenner der LCOS-Formel steht, führt jede Effizienzsteigerung unmittelbar zu einer niedrigeren LCOS – ohne dass sich an den Kosten etwas ändern muss.

Welche LCOS ist für Gewerbespeicher 2026 realistisch?

Für C&I-Speicher in Deutschland liegen realistische LCOS-Werte 2026 spürbar über den international zitierten Utility-Scale-Benchmarks von rund 65 US-Dollar/MWh, da geringere Skaleneffekte und höhere spezifische Netzanschlusskosten zum Tragen kommen. Eine seriöse Einzelfallberechnung ist unverzichtbar.

Ist eine niedrige LCOS automatisch wirtschaftlich?

Nein. Die LCOS bildet nur die Kostenseite ab. Erst im Vergleich mit den projektspezifisch erzielbaren Erlösen aus Arbitrage, Regelenergie und weiteren Vermarktungswegen lässt sich beurteilen, ob ein Speicherprojekt wirtschaftlich tragfähig ist.

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