Energía de control ist eine der attraktivsten Erlösquellen für Betreiber von BESS (“Battery Energy Storage System” oder Batteriespeicher) im sogenannten Front-of-the-Meter (FTM)-Betrieb. Während viele Unternehmen ihre Speicher primär im Behind-the-Meter (BTM)-Betrieb zur Eigenverbrauchsoptimierung, Lastspitzenkappung (Peak Shaving) oder Lastverschiebung zur Einkaufsoptimierung einsetzen, bietet die Teilnahme am Regelenergiemarkt zusätzliche, planbare Einnahmen.
Dieser Beitrag zeigt, wie Regelenergie funktioniert, welche Voraussetzungen gelten und welche Erlöse realistisch sind.
Lohnt sich Regelenergie mit BESS wirtschaftlich?
Ja – und zwar deutlich, wenn Größe, Betriebsstrategie und Vermarktung passen. Ein aktuelles Praxisbeispiel (Stand 2025) zeigt die wirtschaftliche Dimension:
- BESS-Größe: 10 MW Leistung / 20 MWh Kapazität
- Einsatz: 100 % Regelenergie (z. B. PRL, 4-Stunden-Auktionsblöcke)
Bruttoerlöse pro Jahr:
- Kapazitätserlöse: ca. 438.000 €
- Energieerlöse: ca. 175.200 €
- Gesamt: rund 613.200 € pro Jahr
In der Realität müssen jedoch Abschläge berücksichtigt werden, u. a. durch:
- Verfügbarkeitsfaktoren (typisch ca. 90 %)
- Systemkalibrierungen und Präqualifikation
- Wartung und technische Stillstände
- asymmetrische Abrufe (positive/negative Regelenergie)
Daraus ergibt sich ein realistischer Netto-Jahresertrag von etwa 550.000 bis 595.000 € für ein 10-MW-System.
Einordnung für die Praxis
- Die Erlöse entsprechen etwa 55.000–60.000 € pro MW und Jahr
- Regelenergie ist damit ein wesentlicher Wirtschaftlichkeitstreiber für große BESS
- Gleichzeitig bleibt genügend Flexibilität, um zusätzliche Use Cases zu integrieren (z. B. Trading, oder PV-Optimierung)
Wichtig: Ein reiner Regelenergie-Betrieb ist möglich, wirtschaftlich oft aber weniger optimal als ein kombiniertes Betriebsmodell (Multi-Use).
Warum sind Batteriespeicher ideal für Regelenergie?
Batteriespeicher bieten entscheidende Vorteile:
- Extrem schnelle Reaktionszeiten (Sekundenbereich)
- Hohe Flexibilität (Be- und Entladen möglich)
- Automatisierbare Steuerung
- Geringe mechanische Belastung
Damit sind sie besonders geeignet für kurzfristige Eingriffe – vor allem in der Primär- und Sekundärregelung.
Die drei Arten der Regelenergie im Überblick
1. Primärregelenergie (PRL / FCR)
Wichtigster Markt für BESS:
- Reaktionszeit: ≤ 30 Sekunden
- Haltezeit: 15 Minuten
- Vergütung: Leistungspreis
- Einsatz: sofortige Stabilisierung der Netzfrequenz
2. Sekundärregelenergie (SRL / aFRR)
- Reaktionszeit: ≤ 5 Minuten
- Haltezeit: ≥ 15 Minuten
- Vergütung: Leistungs- + Arbeitspreis
- Einsatz: mittelfristiger Ausgleich
3. Minutenreserve (MRL / mFRR)
- Reaktionszeit: bis 7,5 Minuten
- Haltezeit: bis 60 Minuten
- Aktivierung: manuell
- Einsatz: längerfristige Stabilisierung

Technische Anforderungen für BESS im Regelenergiemarkt
Für die Teilnahme – insbesondere an der Primärregelleistung – gelten klare Mindestanforderungen:
- Leistung: ≥ 1 MW
- Freie Kapazität: ≥ 0,25 MWh
- Reaktionszeit: ≤ 30 Sekunden
- Haltezeit: 15 Minuten
- Betriebsweise: vollautomatisiert / fernsteuerbar
- Systemintegration: Anbindung an ein virtuelles Kraftwerk
- Zertifizierung: gemäß regulatorischen Vorgaben
Wichtig: Die Batterie muss sowohl positive als auch negative Regelenergie liefern können.
In der Praxis bedeutet das: Betrieb im halbgeladenen Zustand (Standby-Modus).
Wie funktioniert der Handel mit Regelenergie?
Die Vermarktung erfolgt über zwei zentrale Märkte:
- Regelarbeitsmarkt (RAM) – tägliche Ausschreibungen
- Mercado de electricidad de equilibrio (RLM) – wöchentliche Ausschreibungen
Merkmale:
- Teilnahme über Aggregatoren oder Direktvermarkter
- Auktionen nach Merit-Order- und Pay-as-Bid-Prinzip
- Unterscheidung zwischen:
- positiver / negativer Regelenergie
- Leistungs- und Arbeitspreisen
Die Ausschreibungen werden zentral organisiert und veröffentlicht.
Wie hoch sind die Erlöse wirklich?
Die Erlöse schwanken je nach Marktlage, aber typische Werte sind:
- PRL:
- ca. 2.200 – 3.800 €/MW/Woche (historisch)
- aktuell oft ~2.000 €/MW/Woche kalkulierbar
- SRL:
- ähnliche Größenordnung, aber stärker volatil
Ergebnis: Je nach Größe des Speichers sind fünfstellige bis sechsstellige Jahreserlöse realistisch.
Wann lohnt sich ein BESS für Regelenergie?
In der Praxis gilt: Ab etwa 2,5 MW Leistung wird der Einsatz wirtschaftlich attraktiv
Besonders sinnvoll ist die Teilnahme, wenn der Speicher bereits im FTM-Betrieb für Strom-Trading (Arbitrage-Handel oder für Momentanreserve) genutzt wird. Kombinierbar ist aber auch ein BTM-Betrieb, der die Stromkosten reduziert, wie etwa:
- Optimización del autoconsumo (PV-Kombination)
- Lastspitzenkappung (Reducción de picos)
- Lastverschiebung zur Atypik (Load Shifiting)
So entsteht ein Multi-Use-Case, der die Gesamtrendite deutlich erhöht.
Vorteile von Regelenergie mit BESS
- Zusätzliche, planbare Einnahmen
- Geringer Verschleiß des BESS
- Beitrag zur Netzstabilität
- Kombination mit anderen Geschäftsmodellen möglich
- Schneller Zugang über Aggregatoren
Rolle von BESS im künftigen Energiesystem
Mit dem weiteren Ausbau erneuerbarer Energien steigt der Bedarf an Flexibilität im Stromsystem massiv. BESS werden dabei:
- systemrelevant für Netzstabilität
- zentraler Baustein für volatile Energiesysteme
- wichtige Akteure im Stromhandel und Flexibilitätsmarkt
Gleichzeitig wird erwartet, dass:
- größere Speicher dominieren
- kleinere Systeme stärker im Eigenverbrauch eingesetzt werden
- Erlösmodelle zunehmend kombiniert werden
Fazit: Regelenergie macht BESS wirtschaftlich noch attraktiver
Die Teilnahme am Regelenergiemarkt ist eine der effektivsten Möglichkeiten, um die Wirtschaftlichkeit von Batteriespeichern deutlich zu steigern. Insbesondere im FTM-Betrieb gilt: Regelenergie verwandelt BESS von einer Kostenoptimierungslösung in ein aktives Erlösmodell. Unter den richtigen Voraussetzungen – vor allem bei ausreichender Größe und intelligenter Vermarktung – lassen sich:
- stabile Zusatzerträge generieren
- Investitionen schneller amortisieren
- mehrere Geschäftsmodelle parallel kombinieren
Damit wird klar: BESS + Regelenergie ist ein zentraler Baustein moderner Energiestrategien im gewerblichen und industriellen Umfeld.