Batteriespeichersysteme (BESS) gelten als Schlüsseltechnologie der Energiewende, da sie außergewöhnliche Flexibilität bieten. Im öffentlichen Netz eignen sie sich besonders gut für den Lastfolgebetrieb. Dies bezeichnet die Fähigkeit eines Kraftwerks oder Speichers, seine Leistung kontinuierlich an die schwankende Netzlast oder Fahrpläne anzupassen – also flexibel hoch- und herunterzufahren, statt nur mit konstanter Leistung zu laufen.
Die typischen Messgrößen sind dabei:
- Leistungsgradient: Die Angabe wird mit dem Wert „Pb inst/s“ (Power brutto / instante Änderung pro Sekunde) angegeben und beschreibt den Ist-Zustand bzw. die technische Belastungsgrenze.
- „Power Ramp“: Sie ist der tatsächlich gefahrene Leistungsanstieg oder ‑abfall in Kilowatt oder Megawatt pro Zeiteinheit, also der mögliche Fahrplan im Lastfolgebetrieb.
- Minimal- bzw. Mindestbetriebsleistung: Sie gibt an, wie weit ein Kraftwerk seine Leistung absenken kann, ohne abgeschaltet zu werden.
Während konventionelle Kraftwerke physikalisch träge und technisch begrenzt sind, schneiden BESS in allen drei Punkten technisch besser ab, weil sie ohne Mindestlast auskommen und extrem schnell regeln könnten. In der Praxis setzen Netzbetreiber allerdings häufig deutlich strengere regulatorische Grenzen für die zulässigen Leistungsgradienten als bei klassischen Erzeugungsanlagen. Für Betreiber stellt sich damit die Frage, wie Batteriespeicher im Lastfolgebetrieb im Vergleich zu Gaskraftwerken, Kohle- oder Gas-und-Dampf-Anlagen (GuD) wirklich dastehen, wenn man sowohl die technischen Fähigkeiten als auch die netzseitigen Einschränkungen berücksichtigt.
Technische Vorteile von BESS im Lastfolgebetrieb
BESS punkten im Lastfolgebetrieb durch ihre einzigartige technische Flexibilität, die weit über konventionelle Kraftwerke hinausgeht. Sie erreichen eine Minimalleistung von 0% – im Gegensatz zu Gaskraftwerken (ca. 20%) oder Kohleanlagen (38–40%) –, können also komplett entladen oder pausiert werden, ohne Ausfallzeiten. Die Wirkleistung liegt technisch zwischen -100 bis zu +100 Pb inst (volle Ladung und volle Entladung) und es sind Power Ramps von 10 bis zu 100 %/min machbar, was BESS eigentlich für schnelle Lastfolgen und Regelleistung ideal macht.
Diese Eigenschaften ermöglichen BESS, Schwankungen durch erneuerbare Energien präzise auszugleichen und Netzstabilität zu fördern. Eine Studie der vier Übertragungsnetzbetreiber aus Dezember 2024 zeigt, dass Batteriespeichersysteme den Bedarf an fossilen Backup-Kraftwerken um bis zu 50 % senken könnten, wenn ihre volle Dynamik genutzt wird. In der Praxis bleibt dies jedoch oft durch netzseitige Limits der Verteilnetzbetreiber eingeschränkt.
Netzbetreiber-Vorgaben
Durch die extrem schnelle Reaktionsfähigkeit bzw. hohe Power Ramp von BESS im Lastfolgebetrieb seien spezifische Einschränkungen notwendig, konstatieren die Netzbetreiber. Gerade bei hohen und raschen Leistungsschwankungen im Netz müssten statische oder dynamische Limits eingeführt werden, um Frequenzstabilität und Netzsicherheit zu gewährleisten. Solche Sollwertangaben, die beispielsweise Regelleistungsmärkte auf Basis von VDE-Hinweisen aufstellen, übernehmen Verteilnetzbetreiber immer öfter bei ihren Netzanschlussverträgen. Betroffen sind dabei meist Batteriespeicher, die kurzzeitige, impulshafte elektrische Einschwingvorgänge (Transienten) in Mittel- und Niederspannungsnetzen ausgleichen sollen.
Die Speicherbranche reagiert bereits kritisch und hat berechnet, dass solche Vorgaben die Marktbeteiligung von BESS um bis zu 50 % reduzieren könnten, da sie Erlöse aus Primärregelleistung oder Lastfolge schmälern. Auffangen könnten dies dynamische und netzzustandsabhängig angepasste Gradienten in den Berechnungsmodellen. Betreiber sollten daher bei Genehmigungen explizit mit den Netzbetreibern verhandeln, um höhere Quoten zu erreichen.
BESS und konventionelle Kraftwerke bei Lastfolgebetrieb im Vergleich
Batteriespeichersysteme (BESS) unterscheiden sich grundlegend von konventionellen Kraftwerken, insbesondere durch ihre hohe Dynamik und bidirektionale Flexibilität. Während klassische Erzeugungsanlagen ausschließlich Strom produzieren, können BESS sowohl Energie aufnehmen als auch abgeben – und das mit sehr kurzen Reaktionszeiten.
Technisch sind BESS konventionellen Kraftwerken im Lastfolgebetrieb deutlich überlegen: Sie können ihre Leistung nahezu verzögerungsfrei im gesamten Bereich von 0 bis 100 % skalieren und erreichen Leistungsgradienten von bis zu 100 % pro Sekunde. Demgegenüber sind Gaskraftwerke physikalisch auf etwa 20 % pro Minute begrenzt und benötigen zudem eine Mindestlast von rund 20 %. Noch träger reagieren Kohle- und GuD-Kraftwerke: Braunkohleanlagen erreichen typischerweise etwa 3 % pro Minute bei einer Mindestlast von rund 40 %, GuD-Kraftwerke etwa 6 % pro Minute bei circa 33 % Mindestlast.
| Kraftwerkstyp | Leistungsgradient (%/min) | Minimalleistung (%) | Power Ramp (MW/min) |
| BESS (technisch) | bis 6.000 | 0 | bis 100 (bei 100 MW Leistung) |
| BESS (netzbeschränkt) | 0,6-10 | 0 | 0,6–10 |
| Gasturbine | 20 | 20 | 20 |
| GuD-Kraftwerk | 6 | 33 | 6 |
| Kohlekraftwerk | 3-4 | 38-40 | 3-4 |
In der Praxis wird dieser technische Vorteil von BESS jedoch häufig durch regulatorische und netzseitige Vorgaben eingeschränkt. So werden Batteriespeicher im Netzbetrieb teils auf deutlich geringere Leistungsgradienten limitiert – beispielsweise auf etwa 0,6 % pro Minute (0,10 % pro Sekunde) – und damit stärker reglementiert als konventionelle Erzeugungsanlagen, die etwa 0,37 % pro Sekunde realisieren können.

Insgesamt zeigt sich: Während BESS aus technischer Sicht ideal geeignet sind, um die Volatilität erneuerbarer Energien auszugleichen, wird ihr Potenzial im Lastfolgebetrieb durch aktuelle regulatorische Rahmenbedingungen teilweise nicht vollständig ausgeschöpft.
Optimierung & Ausblick
Zukünftig ist zu erwarten, dass Leistungsgradienten zunehmend dynamisch und netzzustandsabhängig gesteuert werden – etwa auf Basis von Echtzeit-Monitoring der Netzbelastung. Prognosen im Kontext des Netzpakets 2026 gehen davon aus, dass sich die heute üblichen statischen Begrenzungen bis 2030 um etwa 30–50 % lockern lassen. Dadurch wird die systemdienliche Flexibilität von BESS eine zentrale Rolle als Ausgleichs- und Backup-Technologie für die Volatilität erneuerbarer Energien einnehmen. Ergänzend gewinnen KI-gestützte Optimierungen von Fahrplänen und Rampen sowie die gezielte Netzüberbauung (z. B. auf 150–200 % der Anschlussleistung) sowie Cable Pooling de plus en plus important.
Betreiber können ihre Systeme bereits heute durch gezielte Maßnahmen optimieren:
- Dynamische Netzanschlüsse verhandeln:
Bei günstigen Netzbedingungen können höhere Leistungsgradienten (z. B. >0,20 %/s) vereinbart werden. Der regulatorische Rahmen – etwa durch VDE FNN – lässt hier Spielräume für individuelle Abweichungen. - Cable Pooling nutzen und Überbauung planen:
Die Kombination von PV-Anlagen und BESS an einem Netzanschlusspunkt ermöglicht es, bestehende Leistungsgrenzen effizienter zu nutzen, zusätzliche Flexibilität zu vermarkten und die Kapazitäten zu verdoppeln. - Intelligente Software-Controller einsetzen:
Durch automatisierte Rampensteuerung via EMS mit Gradient-Limit lassen sich Restriktionen einhalten und gleichzeitig Erlöspotenziale, etwa im Regelleistungsmarkt (PRL/FCR), erschließen. - Mindestlastanforderungen vermeiden:
Im Gegensatz zu fossilen Kraftwerken können BESS verlustfrei auf 0 % heruntergefahren werden. Dadurch entfällt die Notwendigkeit, ineffiziente Mindestlasten von 20–40 % aufrechtzuerhalten.
Conclusion
BESS dominieren den Lastfolgebetrieb trotz netzseitiger Einschränkungen durch ihre überlegene Dynamik und Null-Mindestlast – ein klarer Vorteil gegenüber fossilen Kraftwerken. Mit dynamischen Vereinbarungen, Cable Pooling und smarter Software bleiben sie wirtschaftlich überlegen und treiben die Energiewende voran.
Für Betreiber heißt das: Jetzt handeln – Netzanschlüsse optimieren, Regelleistung priorisieren und Limits aushandeln. Kontaktieren Sie uns für eine individuelle BESS-Flexibilitätsanalyse.