Das Netzpaket 2026 erlaubt zwar neuen PV- und Batteriespeicher-Projekten den Netzanschluss auch in Engpassgebieten, koppelt dies jedoch an den umstrittenen Redispatch-Vorbehalt. Die strategische Netzüberbauung bietet hier eine Lösung und rückt dabei zunehmend in den Fokus. Sie nutzt vorhandene Kapazitäten effizienter aus, reduziert Abregelungsrisiken und spart nach EWI-Studie jährlich bis zu 1,8 Milliarden Euro Netzausbaukosten.
Die gezielte Netzüberbauung ist seit Februar 2025 in § 8 des EEG verankert und erlaubt so die Realisierung von EE-Projekten auch in „kapazitätslimitierten Netzgebieten“, wie sie im Netzpaket 2026 genannt werden. Dabei wird die Kapazitätsgrenze eines Netzanschlusses bewusst durch große Solarparks und/oder durch Batteriegroßspeicher überbaut. Eine intelligente Betriebsführung fängt Einspeisespitzen gezielt ab und verschiebt sie in Zeiten geringerer Netzlast. So lassen sich Redispatch-bedingte Abregelungen deutlich reduzieren, während gleichzeitig neue Erlöspotenziale – etwa durch flexible Vermarktung oder netzdienliche Fahrweisen – erschlossen werden.
Der Redispatch-Vorbehalt und seine Risiken für PV-Großprojekte
In Engpassgebieten (Abregelung >3% des Jahresverbrauchs) sollen gemäß Netzpaket 2026 neue Erneuerbare-Energien-Anlagen künftig einen Redispatch-Vorbehalt akzeptieren. Das bedeutet, dass bei netzbedingter Abregelung die EEG-Entschädigung für bis zu 10 Jahre komplett entfällt. Gerade dies schränkt die Wirtschaftlichkeit von PV-Großprojekten besonders ein, da zukünftige Redispatch-Quoten schwer prognostizierbar sind. Auch Investoren rechnen daher konservativer und Finanzinstitute bepreisen seitdem Engpass-Projekte höher.
Vor diesem Hintergrund werden Flexibilitätslösungen direkt am Netzverknüpfungspunkt (NVP) zunehmend zur Voraussetzung für die Realisierbarkeit neuer Projekte. Durch die Integration von Speichern und den Einsatz intelligenter Steuerungssysteme lassen sich Einspeisespitzen gezielt glätten und netzbedingte Abregelungen aktiv vermeiden. Anstatt Redispatch-Maßnahmen passiv hinzunehmen, können Betreiber ihre Anlagen flexibel an die Netzsituation anpassen und so die tatsächliche Einspeisemenge stabilisieren. Dies erhöht nicht nur die Planungssicherheit, sondern verbessert auch die Finanzierbarkeit, da Projekte widerstandsfähiger gegenüber den wirtschaftlichen Risiken des Redispatch-Vorbehalts werden.
Was ist Netzüberbauung – und wie funktioniert sie mit PV + BESS?
Netzüberbauung beschreibt das Prinzip, die installierte Leistung einer PV-Anlage bewusst über die verfügbare Netzanschlusskapazität hinaus zu dimensionieren. Konkret bedeutet das beispielsweise: Eine PV-Anlage mit 15 MWp Leistung wird gemeinsam mit einem BESS mit 5 MWh Kapazität an einen NVP mit lediglich 10 MW Anschlussleistung angebunden. Technisch gleicht die intelligente Steuerung die Differenz zwischen Erzeugung und Anschlusskapazität aus. Während die Solaranlage insbesondere zur Mittagszeit hohe Einspeisespitzen erzeugt, nimmt der Batteriespeicher überschüssige Energie auf und speist sie zeitversetzt – etwa in den Abendstunden oder bei geringerer Einstrahlung – wieder ins Netz ein. Erst in letzter Konsequenz wird so eine Abregelung der Einspeisung notwendig.
Auf diese Weise lassen sich negative oder positive Lastspitzen im Netz glätten und Netzkapazitäten deutlich effizienter nutzen. Eine Studie des BEE aus 2024 zeigt, dass bereits bei einer Überbauung von rund 150 % die Abregelungsverluste auf einem niedrigen Niveau von unter 5 % bleiben, während die Auslastung des Netzanschlusspunkts um 30 bis 40 % steigt. Mit integrierten Speichersystemen seien in der Praxis sogar Überbauungsgrade von bis zu 250 % realisierbar. Insgesamt ließe sich die Netznutzung durch Netzüberbauung um 53 % verbessern.
EWI-Studie: 1,8 Milliarden Euro Netzausbaukostenersparnis
Eine EWI-Studie vom Sommer 2025 quantifiziert das Potenzial der BEE-Studie und nennt eindeutige Zahlen. Demnach senkt eine Netzüberbauung mit PV und Windkraft die jährlichen Netzausbaukosten um bis zu 1,8 Milliarden Euro. Zudem bewirkt die optimierte Auslastung der bestehenden Infrastruktur eine dringend benötigte Verzögerung für den kostspieligen Neubau. Für PV-Großprojekte in Kombination mit BESS bedeutet das: Die Netzengpässe werden zu Chancen, da die entstehende lokale Flexibilität den Netzausbaubedarf in der Region reduziert.
Kombiniert mit Cable Pooling – also PV, Wind und BESS am selben NVP – ergibt sich ein Multiplikatoreffekt. Überschüssiger Solarstrom lädt tagsüber Speicher, die bei Bedarf einspeisen oder Redispatch-Situationen abfedern. So steigt die Netznutzungsrate und die kostspieligen Abregelungen sinken. Laut EWI entstehen bei Netzüberbauung folgende Einsparungen:
| Überbauung | Netzauslastung | Abregelungsverlust | Kostenersparnis |
| 100 % | Basis | hoch | žádné |
| 150 % | + 30-40 % | < 5 % | hoch |
| 250 % | + 50-53 % | 10-15 % | bis 1,8 Mrd. €/Jahr |
Praxisbeispiele für sinnvolle Netzüberbauung
1. PV-Freifläche mit BESS in einem kapazitätslimitierten Verteilnetzgebiet
Ein Verteilnetzbetreiber stuft einen Netzbereich als „kapazitätslimitiertes Netzgebiet“ ein, da die Abregelungsquote dort bereits über 3% liegt. Ein Projektierer plant einen neuen Solarpark und erhält vom Netzbetreiber die Information, dass am gewünschten Netzverknüpfungspunkt lediglich 10 MW Anschlussleistung zur Verfügung stehen. Ein klassisches Projekt mit 10 MWp PV und Redispatch-Vorbehalt wäre zwar grundsätzlich anschlussfähig, würde aber das volle wirtschaftliche Risiko unentgeltlicher Abregelungen tragen.
Stattdessen entscheidet sich der Betreiber für eine strategische Netzüberbauung: Er installiert 15 MWp PV-Leistung und ergänzt die Anlage um ein BESS mit 7,5 MWh Kapazität. Über ein Systém řízení spotřeby energie (EMS) wird sichergestellt, dass die maximale Einspeiseleistung am NVP von 10 MW zu keinem Zeitpunkt überschritten wird.
In Zeiten hoher Einstrahlung werden Überschüsse in den Speicher geleitet, anstatt abgeregelt zu werden. Erst wenn der Speicher voll ist und die Netzlast keine zusätzliche Einspeisung zulässt, greift eine kontrollierte Leistungsbegrenzung der PV-Anlage. Auf Jahressicht kann der Betreiber so einen deutlich höheren Energieertrag über denselben Netzanschluss realisieren, während Redispatch-Maßnahmen spürbar reduziert werden.
2. Hybridprojekt mit Windpark, PV-Anlage und BESS
In einer windstarken Region ist ein Windpark mit 20 MW Anschlussleistung bereits seit mehreren Jahren in Betrieb. Obwohl der NVP zu 100 % belegt ist und es regelmäßig zu Abregelungen kommt, ein Ausbau aufwendig und nur durch einen hohen Baukostenzuschuss erweiterbar wäre, besteht bei dem Betreiber das Interesse zusätzlich Photovoltaik und einen Großspeicher zu integrieren.
Im Rahmen eines Hybridkonzepts wird die vorhandene Netzanschlussleistung bewusst überbaut: Neben dem Windpark werden 15 MWp PV-Leistung und ein 10-MWh-Batteriespeicher am NVP angebunden. Auch hier orientiert sich das EMS automatisch an das Gesamtsystem. Während der Nacht und bei schwacher Sonneneinstrahlung prägt die Windenergie die Einspeisung, tagsüber liefert der Solarpark hohe Leistungen. Der Speicher nimmt sowohl Wind- als auch PV-Überschüsse in Zeiten geringer Netzaufnahmefähigkeit auf und stellt sie zeitversetzt wieder bereit. Dadurch werden die Einspeisespitzen der kombinierten Anlage geglättet und Redispatch-Eingriffe deutlich reduziert.
3. Großverbraucher mit PV-Einspeisung und BESS
Ein energieintensives Unternehmen verfügt über einen Mittelspannungsanschluss mit 5 MW Leistung, über den der gesamte Strombezug sowie ein bestehender PV-Dachanlagenanteil abgewickelt wird. Aufgrund steigender Strompreise und Nachhaltigkeitsziele plant das Unternehmen, seine Eigenversorgung mit einer PV-Freiflächenanlage und einem BESS auf dem Betriebsgelände deutlich auszubauen. Der Netzbetreiber signalisiert jedoch, dass eine Erhöhung der Anschlussleistung nur mit erheblichem Netzausbau möglich wäre.
Das Unternehmen entscheidet sich dafür, den bestehenden Netzanschluss strategisch zu überbauen und installiert zusätzlich 7 MWp PV-Leistung s BESS mit 4 MWh Kapazität. Im Normalbetrieb deckt die PV-Anlage zunächst den Eigenverbrauch des Werks. Mit den Überschüssen lädt der Speicher und sofern Anschlusskapazitäten frei sind erhält der Betreiber die Einspeisevergütung. In Betriebszeiten mit niedrigem Verbrauch oder an Wochenenden bei hoher PV-Erzeugung und vollem Speicher verhindert das EMS, dass die 5-MW-Grenze überschritten wird und regelt die PV-Anlage runter.
Cable Pooling als operative Umsetzung der Netzüberbauung
Die beschriebenen Szenarien setzen in der Praxis Cable Pooling voraus – das gemeinsame Nutzen eines Netzverknüpfungspunkts durch PV, BESS und ggf. weitere EE-Anlagen. Dabei gibt es zwei Hauptvarianten:
- Co-Location-Modell: PV-Anlage und BESS haben separate Marktlokationen (MaLo) und Messkonzepte. Der Speicher kann flexibel mit Graustrom laden und Regelenergie-Märkte bedienen, während die PV-Anlage EEG-förderungsfähig bleibt.
- Hybridmodell: PV-Anlage und BESS sind hinter einem MaLo angeschlossen. Der Speicher lädt ausschließlich mit PV-Grünstrom – EEG-konform, aber mit geringerer Marktflexibilität.
Beide Modelle nutzen flexible Netzanschlussvereinbarungen (§ 8a EEG), die dynamische Einspeisegrenzen definieren. Dabei koordiniert ein EMS alle Echtzeit-Entscheidungen zwischen Speicherladung, Eigenverbrauch und Netzeinspeisung.
Rechtliche & technische Voraussetzungen
Rechtlich benötigen Projekte:
- Genehmigung des Netzbetreibers für Überbauung (§ 8 Abs. 1a EEG 2023)
- Flexible Netzanschlussvereinbarung mit definierten Maximalleistungen
- Separate Messkonzepte bei Co-Location (MaLo + Zähler)
- Nachweis der technischen Steuerbarkeit
Technisch entscheidend sind:
- EMS mit Vorhersagemodellen (PV-Ertrag, Last, Netzpreise)
- Schnelle Leistungsregelung (< 1 Sekunde Reaktionszeit)
- Kommunikation mit Netzbetreiber (z.B. via IEC 61850)
- Redundante Systeme für Betriebssicherheit
Checkliste für die Umsetzung von Netzüberbauungsprojekten
Bei der Planung und Umsetzung von Netzüberbauungsprojekten übernimmt CUBE CONCEPTS die ganzheitliche Koordination aller entscheidenden Schritte. Ausgangspunkt ist eine fundierte Netzanalyse, bei der Abregelungsquoten und Kapazitätsgrenzen am Netzverknüpfungspunkt bewertet werden. Darauf aufbauend entwickeln wir ein optimiertes technisches Konzept mit passendem Überbauungsgrad, Batteriespeicher und EMS.
Parallel klären wir die regulatorischen Rahmenbedingungen, insbesondere die flexible Netzanschlussvereinbarung gemäß § 8a EEG, in enger Abstimmung mit dem Netzbetreiber. Ergänzend erstellen wir belastbare Wirtschaftlichkeitsberechnungen, die Redispatch-Risiken sowie zusätzliche Erlöspotenziale – etwa aus Řízení energie oder Energy-Trading – berücksichtigen. Durch die koordinierte und parallele Umsetzung von PV- und Speicherprojekten stellen wir sicher, dass Netzüberbauung technisch effizient und wirtschaftlich erfolgreich realisiert wird.
Fazit: Vom Netzengpass zur Flexibilitätsstrategie
Netzüberbauung mit PV und BESS verwandelt die Herausforderungen des Netzpaketes 2026 in Wettbewerbsvorteile. Während der Redispatch-Vorbehalt Investitionen erschwert, kann der Netzverknüpfungspunkt besser genutzt werden und es entstehen:
- Kürzere Projektlaufzeiten (kein Netzausbau)
- Höhere Energieerträge (bessere Jahresauslastung)
- Zusatzerlöse durch Flexibilitätsmärkte
- Systembeitrag zur Netzstabilität
Unternehmen, die jetzt umdenken, positionieren sich strategisch besser für die Energiewende.
